Wassertor - Museum

Feuerwehr
Steigen wir die Treppe zum ersten Obergeschoss empor, so erblickt man zuerst eine Reihe alter Vorderlader, insgesamt alte, umgebaute Steinschlossgewehre, welche die Stadt Isny im Jahre 1848 erwarb, um die neu gegründete Bürgerwehr zu bewaffnen. Der weitaus größte Teil der Gewehre stammt aus den Jahren 1803 - 1809 und wurde in der französischen Waffenfabrik Mutzig/Unterelsaß hergestellt. Schnell wechselt die Szene und wir finden uns eingefangen von der Feuerwehr, einer der ersten demokratischen Bürgerinitiativen, wie man sagen könnte. Nur zu oft hat die Stadt in ihrer Geschichte die Schrecken der Feuersnot erleben müssen. Aus diesen Erlebnissen heraus ist auch die Stiftung des Rates zu verstehen, dass alljährlich am St. Agathen Tag eine Brotspende im Wert von zwei Pfund Pfennig an die Armen ausgeteilt werden solle. »darumb, daz uns sant Agt behüet vor übrigem ungewonlichen Füre . .«.

Bereits in der Stadtrechtshandschrift findet sich die Bestimmung: ». . wenn das waer, daz bi uns fulre ufgieng und brinnent wurd, davor uns Got mit siner Gnade allweg behuet, so sol darzue menglich loffen, mann und frow, jung und alt, wer denn darzue nuitz ist und das fuire helfen leschen und demmen nach siner vermugent . .«. Ganz genau wurde vorgeschrieben, was jeder einzelne tun und wohin er bei Feuersgefahr zum Helfen und Löschen eilen musste. Als Vorsorgemaßnahme galt die Auflage, bei der Heirat für den neuen Hausstand unverzüglich zwei »Feuerkübel« anzuschaffen. Leitern, Feuerhaken und Eimer waren die wichtigsten Utensilien, mit denen ein Brand bekämpft wurde. Allerdings war hierbei die Grenze des Möglichen bald erreicht, und zumeist konnte man nicht viel mehr tun, als die Nachbarhäuser zu schützen und einiges von der Habe zu retten.

Die Merian - Ansicht unter der Reihe alter Feuerwehrhelme erinnert an den Großbrand des Jahres 1631, der »Brandbrief« an die bereitwillige Hilfe, die Isny bei diesem Unglück von seinen Nachbarstädten erfuhr. Bei diesem Brande setzte das Kloster erstmals seine neue Feuerspritze, »Neptun« genannt, ein; bedenkt man jedoch die spärliche Wasserzufuhr mittels der ledernen, leinenen oder strohgeflochtenem Wassereimer, so ist leicht verständlich, dass die erhoffte Wirkung sich nicht einstellte und das Feuer ungehemmt Stadt und Kloster beinahe völlig in Schutt und Asche legen konnte.

1794 berichtet das Ratsprotokoll, dass Herr Leonhard Schlegel, Handelsmann, der Stadt eine schöne neue Feuerspritze mit einem 80 Schuh langen Schlauch verehrt habe. Ende März kam die Spritze in Isny an und entsprach vollauf den Wünschen und Erwartungen. So beschloss man, Herrn Leonhard Schlegel für diese edle Handlung ein Danksagungs und Belobungsdekret zuzusenden und den Namen des Wohltäters an einem »schicklichen Platze« anzubringen.

Um mögliche Gefahrenquellen auszuschließen, durften ab 1808 neue Häuser nicht mehr mit Stroh oder Schindeln gedeckt werden, selbst an alten Häusern sollten die Schindeldächer nicht mehr repariert, sondern mit Ziegeln ausgebessert werden; auch durfte kein neues Haus mehr ohne Kamin gebaut, in alten Häusern ohne Kamin keine größere Reparatur vorgenommen werden, ohne dass zugleich ein gemauerter Kamin darin erbaut würde.

1844 erwarb man von Spritzenmacher Josef Anton Hug um 1300 Gulden eine große Fahrfeuerspritze. 1846 besaß man schon fünf große fahrbare Feuerspritzen, zwei Handspritzen, einen Feuerwagen mit vier Rädern, einen Wasserfaßwagen mit vier Rädern und einem neuen großen Wasserfaß, ein Rettungstuch, 10 Feuerleitern, 14 Löschwischer, zwei Feuerfahnen, 31 große und kleine Feuerhaken, 16 Leitern und 257 neu gerichtete Feuerkübel. Da unausgebildete Leute für eine wirksame Feuerwehr als nicht geeignet angesehen wurden, veranlasste man die Turner, den Feuerwehrdienst zu übernehmen. Diese bildeten aus Freiwilligen 1850 das »Pompiers Corps«. 6 Feuerwehr Pumpspritzen, Löschkübel aus Leder, Stroh u. Leinen.

Bei einem Brand in der Stadt oder Vorstadt Isny alarmierte man durch Trommeln und Sturmläuten auf allen Türmen, brannte es aber auswärts, so wurde auf dem Blaserturm mit der kleinen Glocke geläutet. Sobald Sturm geläutet wurde, hatten sich die zum »Feuerreiten« verpflichteten Metzger und Pferdehalter vor dem Rathaus einzufinden, um wenn nötig, Hilfe herzuholen. Der städtische Lampenanzünder und seine Angehörigen mussten sofort die Straßenlampen und zwar zunächst die beim Spritzenhaus und Rathaus anzünden. Die Bierbrauer hatten unverzüglich mit Wasser gefüllte große Fässer auf den Brandplatz zu führen; bei großer Kälte waren sie, wie auch die Färber, Seifensieder und Besitzer von Waschkesseln, verpflichtet, die Spritzen nach Bedarf mit heißem Wasser zu versehen. Mägde und »ledige Weibspersonen« mussten mit Wasser gefüllte »Gölten« auf den Brandplatz bringen und Wasser für die Spritzen herbeischaffen. Jeder bekam seine Aufgabe zugewiesen.

Im Jahr 1867 wurde eine »Freiwillige Feuerwehr« gebildet. Die zu der Zeit noch selbständige Gemeinde Isny Vorstadt erließ eine eigene Lokal Feuer Lösch Ordnung. 1899 beschloss der Gemeinderat von Isny Vorstadt, solange die Wege schneefrei sind, statt der Feuerreiter zwei Radfahrer als Feuerboten zu verwenden, und 1923 inzwischen war die Vorstadt Isny mit der Stadt zu einer Gemeinde vereinigt worden richtete man eine Weckerlinie ein.

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