Seit jeher ist das Büro der Ort, an dem Menschen Informationen sammeln, verarbeiten, archivieren, von anderen erhalten und weitergeben. Bis heute sind die Kulturtechniken Rechnen und Schreiben dazu notwendig. Erst in jüngster Zeit sind auch PC-Kenntnisse für den Sachbearbeiter unerlässlich geworden.
Sechs hier ausgestellte Schreibtische stellen in etwa im Abstand von je dreißig Jahren die Geschichte des Büros von etwa 1870 bis Heute dar und zeigen den Mikrokosmos des Arbeitsalltags, in dem sich gleichermaßen technische, soziale, wirtschaftliche und ästhetische Entwicklungen spiegeln.
Im Jahr
1870 war es noch durchaus üblich, am Stehpult seine Büroarbeit zu verrichten. Technische Hilfsmittel zur Vereinfachung der anfallenden Büroarbeit wurden nur vereinzelt genutzt.
Im Jahr
1900 stand mit dem Einzug der Schreibmaschine nicht nur ein neues effektives Arbeitsgerät zur Verfügung, sondern es entstand auch ein neues Berufsbild. Frauen ersetzten im "Schreibsaal der 20er Jahre" zunehmend die Schreiber und Kopisten von ehedem.
Die Entwicklung des Telefones und des Fernschreibers „Informationen und Daten über den Draht zu versenden“ gaben der Büroarbeit ebenfalls ein neues Gesicht.
Im Jahr
1930 zeugt die typische Amtstube der „Dreißiger Jahre“ von einer Akkuratesse und Sparsamkeit in der Verwaltung, die als vorbildlich galt.
Im Jahr
1960 trat eine Modernisierung in der Bürolandschaft auf. Bedingt durch die Mangeljahre des zweiten Weltkrieges waren Büromaschinen aus den Zwanziger- bis Dreißiger-Jahren noch durchaus üblich. Mit einsetzendem Wirtschaftswunder wurde auch der Maschinenbestand erneuert. Neue Geräte wie elektromechanische Rechen- und Schreibmaschinen, Kopiergeräte, Telefonanlagen und Fernschreiber und auch Diktiergeräte fanden den Weg in das Büro.
Etwa im Jahr
1990 wandelten sich die elektromechanischen Geräte in elektronisch gesteuerte Maschinen. Wenn schon im Jahr 1950 der erste kommerziell genutzte Computer zum Einsatz kam, so dauerte es noch fast 40 Jahre bis der vollelektronische Personalcomputer in den Büros allgemein eingesetzt wurde. Der Personalcomputer verdrängte in dieser Zeit fast alle mechanischen beziehungsweise elektromechanischen Bürogeräte. Er übernahm zum großen Teil die Schreib- und Rechenarbeiten, die Datenverwaltung, die Speicherung, die Druck- und Zeichnungsarbeiten und die Nachrichtenübertragung.
...und Heute, 2009 ?
ist der Personalcomputer aus dem Büro nicht mehr wegzudenken. Eine Vielzahl von Peripheriegeräten zum Drucken und Speichern, zur Bildbearbeitung, spezielle Anwendersoftware für alle Arbeitsbereiche in Industrie und Wirtschaft sowie eine internationale Vernetzung mit anderen Computern lässt auf weitere Arbeitsvereinfachungen hoffen. Das Notebook bietet die Möglichkeit, nicht ortsgebunden mit modernster Technik zu arbeiten. Die Tür für ein weltumspannendes Informationsnetz ist geöffnet worden.
Trotzdem war und ist der Alltag der Büroarbeit durch den Umgang mit Papier bestimmt. Schreibmaschinen, Formulare, Ordner, Kopiergeräte aller Art sind die Hilfsmittel der Informationsverarbeitung auf papierener Grundlage. Ginge es nach den Visionären der EDV-Branche, wäre heute - im Zeitalter des PCs - das Papier als Betriebsmittel des Büros schon lange verschwunden. Trotz zahlreicher Computer am Arbeitsplatz und Einführung der "electronic mail" schnellte der Papierverbrauch auch weiterhin in die Höhe. Die Verwirklichung der Utopie vom papierlosen Büro liegt noch immer vor uns.
Amtsstube um 1870

Das 19. Jahrhundert war nicht nur eine Epoche der Industrialisierung und Massenfabrikation, sondern auch eine Ära stetig anwachsender Verwaltungsarbeit. Steigendes Steueraufkommen, umfangreiche Planungs- und Überwachungsaufgaben und das Sozialversicherungswesen ließen besonders in Preußen einen bürokratischen Apparat entstehen, der zum Vorbild für andere Staaten, aber auch für Großunternehmen der freien Wirtschaft wurde.
Leitbild für die bürokratische Arbeit war das Militär mit seiner straffen Hierarchie und seiner Treue gegenüber Herrscher und Staat. Korrektheit, Disziplin und bürokratische Zweckmäßigkeit prägten den Arbeitsalltag: Sauberes Schreiben mit Stahlfeder, Federhalter und Tintenfass war unerlässliche Voraussetzung für Amtstätigkeiten. Geschrieben wurde an Stehpulten; Schreibtisch und Lehnstuhl waren meist höheren Vorgesetzten vorbehalten. Stempel, Vordrucke und das Vervielfältigen von Schriftstücken mit der Kopierpresse erleichterten die zunehmende Gleichartigkeit und Wiederholbarkeit der Verwaltungsvorgänge.
Zum Ordnen und Ablegen der Schriftstücke dienten Briefsortierfächer und Archivschränke. Seit dem Ende des Jahrhunderts standen zusätzlich Registraturhilfen wie Karteikarten und Briefordner für das alphabetische Sortieren der ständig steigenden Datenmenge zur Verfügung. Die Einführung von Gaslicht, später von elektrischer Beleuchtung, verbesserte die Lichtverhältnisse in den oft düsteren Büros erheblich und ermöglichte längeres Arbeiten. Mechanisierung der Büroarbeit und neue Kommunikationsformen wie das Telefon hielten erst um die Jahrhundertwende Einzug in deutschen Amtsstuben.
Organisations- und Geschäftsverteilungspläne erhöhten die Effizienz der Verwaltung. Gleichzeitig wurde die Büroarbeit auch räumlich immer stärker spezialisiert: Das Schreiben, Kopieren, Rechnen, Kassieren, Ablegen fand nun zunehmend in eigenen Räumen statt. Die Arbeit des einzelnen wurde stärker bürokratisch kontrolliert und reglementiert; das Verbot des Essens am Arbeitsplatz ist nur ein Beispiel dafür.
Das Büro um 1900
Bis spät in das 19. Jahrhundert beherrschten Schreiber und Kopisten das Büro, die ihre Arbeit mit Feder und Tinte am Stehpult verrichteten.
1874 kam in den USA mit der Sholes & Glidden die erste serienmäßig hergestellte Schreibmaschine auf den Markt. Zu ihren ersten Käufern zählten Telegraphisten, Stenographen und einige Schriftsteller, unter ihnen Mark Twain.
Zu einem nennenswerten Einsatz im Büro gelangte die Schreibmaschine erst in den 1880er Jahren, einer Zeit, die durch ein starkes Wachstum der als Kapitalgesellschaften geführten Unternehmen gekennzeichnet war. Hier setzte sich eine immer stärkere funktionale Gliederung der Verwaltung durch. Es entstanden selbständige Abteilungen wie Auftragsannahme, Kalkulation, Versand und Buchhaltung. Innerhalb dieser Einheiten kam es zu einer ausgeprägten Hierarchisierung der Funktionen. Koordiniert und kontrolliert von Managern verrichtete die Mehrzahl der Beschäftigten Teilarbeiten, deren Bedeutung für das Ganze ihnen meist verborgen blieb.

Die mit der wachsenden Geschäftstätigkeit steigende Korrespondenz und die Zunahme interner Aufzeichnungen und Berichte führten zu einer Flut von Schreibarbeiten. Mit der Maschine konnte nicht nur schneller geschrieben werden, mit ihr war es auch möglich, im gleichen Arbeitsgang mehrere Durchschläge für die Ablage zu erstellen. Die Beherrschung der Schreibmaschine war zunächst eine Qualifikation, die Typistinnen und Typisten im Wettbewerb mit Schreibern und Kopisten zu ihrem Vorteil nutzen konnten. Langfristig betrachtet kann man aber auch von einer Dequalifizierung innerhalb der Angestelltenschaft sprechen. Auf eine rein ausführende Tätigkeit beschränkt, standen die Typisten am unteren Ende der sich neu formierenden Angestelltenpyramide.
Nicht zuletzt vollzog sich mit dem Wandel der Arbeitsorganisation um die Jahrhundertwende eine Feminisierung des Büros, vor allem bei den Routinetätigkeiten.
Das Büro um 1930
Statussymbole kennzeichneten die Sonderstellung der Angestellten in dieser Zeit. In ihrer Mehrheit sahen sich die "Privat-Beamten" nicht einfach als Arbeitnehmer, sondern in einer sozialen Zwischenstellung, die häufig im Sinne der vorindustriellen Leitbilder idealisiert wurde. Dieses Selbstverständnis der Angestellten gründet vor allem in ihrer Arbeitssituation und den sich daraus ergebenen Privilegien, fand jedoch auch eine Stütze in einer Reihe von Statussymbolen. Zu ihnen gehörte die standesgemäße Kleidung: weißes Hemd, Stehkragen, Binder und Anzug, die eine eindeutige "Weiße-Kragen-Linie" ergab, wie auch die repräsentative Gestaltung vieler Verwaltungsgebäude, deren Eingangsbereich mit historisierenden Portalen oder Freitreppen an die barocke Herrschaftsarchitektur erinnert.
Das Büro um 1960
In den 1960er Jahren war die Kultur und Ausstattung von Büros vielfach noch von der Vorkriegszeit bestimmt. Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde in kleineren Betrieben lange mit alten Geräten und Maschinen gearbeitet.

Doch bald wurden auch in kleineren Büros verstärkt moderne Büromaschinen eingesetzt. Buchungsmaschinen, Diktiergeräte oder Vervielfältiger ergänzten die schon recht verbreiteten Schreib- und Rechenmaschinen. Neben den typischen Büromaschinen erfuhren auch die kleinen Hilfsmittel der täglichen Büroarbeit immer größere Verbreitung. Hefter, Locher, Anspitzer und dergleichen wurden zu Massenartikeln. Auch diese Produkte wurden dem Design der Zeit angepasst. Stromlinienformen finden sich so nicht nur bei amerikanischen Straßenkreuzern, sondern auch bei Bürogeräten.
Der zunehmende Einsatz von Büromaschinen veränderte die Arbeitsabläufe und -strukturen in vielfacher Weise. Das Schlagwort der damaligen Zeit - nicht nur im Bürobereich - war "Rationalisierung".
Dabei wurde an Erfahrungen aus Großbüros der 1920er Jahre angeknüpft, die man auf kleinere Betriebe übertrug. Ziel war es, Arbeitsabläufe zu optimieren und die Arbeitskräfte möglichst "rationell" einzusetzen. Ein Mittel hierzu war die Zergliederung der Arbeitsschritte, so dass die Arbeitsteilung immer weiter vorangetrieben wurde. Die Arbeit im Büro sollte wie die Abläufe in der Produktion als Fließarbeit organisiert werden. Dabei wurden die eintönigen Arbeiten an den Maschinen fast ausschließlich von Frauen verrichtet, während die leitenden Funktionen in den Händen von Männern blieben. Dies gilt neben den Schreibarbeiten vor allem für die Buchhaltung. Die Kontenführung und das Buchen der einzelnen Posten wurde von Frauen vorgenommen, während die Hauptbuchhalter Männer waren. In Kleinbetrieben allerdings schritt die Arbeitsteilung nur bedingt voran. Im Handwerk zum Beispiel wurde die Buchhaltung häufig von der Ehefrau des Geschäftsinhabers ohne Buchungsmaschinen betrieben. Die handschriftliche Buchhaltung war hier noch lange (z.T. bis heute) verbreitet.
Das Büro um 1990

Seit den 1850er Jahren gab es erste Ansätze zur Mechanisierung der Büroarbeit, ab 1880 hielten mechanische Maschinen zunehmend Einzug in die Büros und übernahmen die zeitintensiven Tätigkeiten des Kopfrechnens und handschriftlichen Schreibens.
Ab 1900 setzte dann bei den Büromaschinenherstellern eine stürmische Entwicklung ein. Innerhalb kurzer Zeit steigerte sich der Umsatz um mehr als das Hundertfache. Das Zeitalter der Büromaschinen hatte begonnen.
Bevölkerungswachstum, expandierende Güterproduktion und Ausdehnung zu weltweiten Handelsbeziehungen waren die wirtschaftlichen Gründe für den steigenden Umfang des Schriftverkehrs sowie von Überwachungs- und Verwaltungsvorgängen in Fabriken und Büros.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts revolutionierte die Erfindung von Samuel F. B. Morse die weltweite Nachrichtentechnik. Die kleinen Punkte und Striche auf den Papierstreifen der Morsetelegrafen lieferten plötzlich in Sekundenschnelle Informationen aus aller Welt, für die ein Bote zuvor noch Tage oder Wochen gebraucht hätte. Die Nachrichtenübermittlung per Telegramm war die schnellste Übermittlungstechnik geworden.
Mit der Einführung des Telexdienstes 1933 in Deutschland war es möglich, Nachrichten in direkt lesbaren Wörtern in alle Welt zu übertragen. Als elektromechanisches Gerät besaß ein Fernschreiber circa 15.000 Einzelteile. Im Jahr 1976 wurden die ersten vollelektronischen Fernschreiber eingeführt.
1980 waren in Westdeutschland noch 140.000 Telexanschlüsse in Betrieb, jedoch hatte die Nachrichtenübermittlung per Fernschreiber ihren Höhepunkt zu diesem Zeitpunkt bereits überschritten, Telefax und schnelle Datenübertragung per Modem verbreiteten sich immer mehr und werteten den Fernschreiber zur Schneckenpost ab. Am 31. Dezember 2007 stellte die Deutsche Telekom ihren Fernschreibdienst ein. Heute wird der Fernschreiber nur noch bei den Wetterdiensten, in Flughäfen sowie beim Militär vereinzelt eingesetzt.