Das Jahr im Zeichen des Flachses

Allgemeine Geschichte über die Weberei
Die Weberei gehörte neben der Wirkerei und der Töpferei zu den ältesten Handwerken der Menschheit. Gewichtswebstühle waren spätestens seit dem Neolithikum bekannt. Bei diesen wurden die Kettfäden mit einem Gewicht an einem horizontalen Balken befestigt und hingen gelassen. Aus den Feuchtbodensiedlungen der Schweiz ist eine Reihe neolitischer Textilien überliefert, die entweder aus Flachs oder aus Wolle bestehen. Daneben wurde auch Rindenbast (von Linde, Ulme und Eiche) verwendet. Gewichtswebstühle wurden bis ins Mittelalter verwendet. Das Webmaterial der Bronzezeit war vor allem durch die Funde aus dänischen Baumsärgen bekannt. Gewobene Textilien und Teppiche verhalfen den handelstreibenden Assyrern, Babyloniern und später den Phöniziern zu ihrem Reichtum. Sie konnten ihren technologischen Vorsprung in der Textilindustrie in Kleinasien, Persien und Arabien bis ins 13. Jahrhundert hinein behaupten.

Auch die Griechen kannten das Weben. Bei Homer scheinen Weben, Spinnen und die Herstellung von Kleidungsstücken die Hauptbeschäftigung der Frauen zu sein. Nach anderen Überlieferungen konkurrierte im künstlerischen Bereich die Bildweberei ernsthaft mit der Malerei. Vasenbilder der schwarzfigurigen Zeit belegen auch hier den Gebrauch des Gewichtswebstuhls.

Im frühen Mittelalter und in der romanischen Kunstperiode beherrschte die orientalische Webkunst den Weltmarkt. Sassanidische, sarazenische und byzantinische Seiden- und Wollengewebe waren mit reichen Ornamenten verziert und gearbeitet. Aus ihnen wurden Prunkgewänder für Kaiser, Fürsten, Ritter und den Klerus hergestellt.

Auch in Europa begann die Weberei als Industriezweig aufzublühen. In Augsburg gab es Mitte des 15. Jahrhunderts eine Weberzunft mit über 700 Mitgliedern, in Isny waren um 1628 350 Weber ansässig.

Jahrtausendelang wurden weltweit Varianten des einfachen Webstuhls mit vertikaler Kette (Hochwebstuhl) verwendet. Erst durch die Erfindung des Webstuhls mit horizontaler Kette (Flachwebstuhl) in der Mitte des 13. Jahrhunderts fand eine Veränderung der Produktionstechnik statt. Einer der Vorläufer des mechanischen Webstuhls war die um 1600 entwickelte, in der Bandweberei gebräuchliche sogenannte Bandmühle. Erst im 18. Jahrhundert wurde der Webstuhl wesentlich weiterentwickelt. So wurde zu dieser Zeit von John Kay der so genannte Schnellschütze zur automatischen Bewegung des Schützen erfunden. Der erste mechanische Webstuhl wurde 1784 von dem englischen Geistlichen Edmond Cartwright erbaut. Eine weitere revolutionäre Neuerung wurde durch den Lyoner Seidenweber J.M.Jaquart eingeführt. Bei seinem 1805 erbauten Webstuhl können die Kettfäden mit Hilfe von Lochkarten gezielt einzeln gehoben und gesenkt werden, wodurch es möglich wurde, großflächig gemusterte Stoffe zu weben. Hierdurch wurde eine unbegrenzte Musterungsvielfalt gegenüber der begrenzten Bindungsmuster in der Schaftweberei möglich.

Der Niedergang war trotz dieses Erfolgs doch nicht mehr aufzuhalten. Vor allem der Dreißigjährige Krieg hat ihn beschleunigt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde zwar durch die Obrigkeit und auch die Standesherren versucht, durch merkantilistische Förderung an die alten Erfolge anzuknüpfen, was nur sehr spärlich gelang. Der Handel in den katholischen Länder war mit den protestantischen Kaufleuten besonders erschwert worden und es dauerte viele Jahre um die alten Beziehungen wieder mit Leben zu erfüllen. Die nächste Zäsur brachte die Regentschaft Napoleons mit sich. Hier wurden wieder Handelsbeschränkungen durchgesetzt. Die Märkte in England und Spanien gingen erneut verloren. Durch den verstärkten Anbau der Baumwolle im 18.-19. Jahrhundert in Amerika und durch die Erfindung moderner Spinn- und Webmaschinen in England war die arbeitsintensive Flachsverarbeitung nicht mehr wirtschaftlich. Das Elend der Weber im 19. Jahrhundert war sprichwörtlich geworden und fand im Roman von Georg Hauptmann "Die Weber" einen literarischen Höhepunkt. Im Allgäu waren es wenige Leute wie zum Beispiel Karl Hirnbein aus Missen und Johann Althaus, die unsere Landbevölkerung auf neue Wege brachten, indem sie die Grünlandwirtschaft mit der milchverarbeitenden Industrie in unserer Heimat einführten. So wandelte sich das ehemals "blaue Allgäu" in das "grüne Allgäu" mit seinen glücklichen Kühen um.

Spottlied auf die Weber  

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