Das Jahr im Zeichen des Flachses

Das Flachsriffeln
Nach etwa 14 Tagen, wenn die Stängel trocken waren, wurden sie auf einem Leiterwagen in die Tenne gefahren. Sorgfältig war der Wagen mit Tüchern ausgelegt, damit ja kein Samenkörnchen verloren ging. Die Tenne war ebenfalls sorgsam ausgekehrt und mit Tüchern ausgelegt worden. Unnötige Geräte wurden solange anderweitig untergebracht. Jetzt konnte der Flachs geriffelt werden, das heißt, die Samenkapseln wurden von den Stängeln getrennt. Noch am Stängel haftende Blätter wurden dabei ebenfalls abgestreift. Die Flachsriffel ist ein eiserner Kamm mit etwa 15 bis 20 Zinken, welche etwa 15 bis 20 cm lang sind. Die Riffel war in einem waagerechten Balken oder einem Gestell eingeschlagen, meist mehrere nebeneinander, so dass etliche Leute gleichzeitig riffeln konnten. Man nahm nun eine Hand voll Flachs und zog sie so oft durch die Riffel, bis alle Samenkapseln vom Halm getrennt waren. Nachdem der ganze Flachs so behandelt worden war, wurden die abgestreiften Samenkapseln in den Tüchern auf den Dachboden, die sogenannte Bollendarre, getragen, wo eine weitere Nachtrocknung erfolgte. Erst wenn die "Bollen" ganz trocken waren, wurden sie wieder in der Tenne mit Dreschflegeln gedroschen und in der Windfege (Blähmühle) von Schalenresten und Staub befreit. Mancherorts ließ man auch den "Leinsamenputzer" kommen, der mit einem speziellen, auf Schütteln und Klopfen konstruierten Holzgerät den Leinsamen vom Unkrautsamen trennte. Der Samen wurde, nun da er so gereinigt war, in einem Leinwandsack trocken aufbewahrt. Er galt als Schatz des Hauses, für den die Hausfrau allein verantwortlich war und wurde auf vielerlei Art weiter bearbeitet. Er konnte in der Ölmühle zu Leinöl gemahlen werden, wurde zum Brot backen mitverwendet und diente als Heilmittel bei Mensch und Tier. Besonders Pferde, wenn sie Koliken hatten, wurden mit Leinsamen behandelt. Außerdem war er auch das Saatgut für das nächste Jahr.

Auch im Brauchtum sagte man dem Leinsamen allerlei Kräfte nach. So konnte am Thomastag, dem sogenannten "Lostag", ein Mädchen ihren zurünftigen Mann im Traum sehen, wenn es mit Leinsamen einen Ring um sein Bett streute und dabei den Spruch aufsagte:
"Heiliger Thoma, i strei dir an Soma,
i streu dir en Lein, damit mir heit Nacht
der Meinige erschein"

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