Heimatgeschichtlicher Hintergrund

In unserer Gegend wurde im späten Mittelalter von der Landbevölkerung neben der Erzeugung von Grundnahrungsmitteln, etwas Viehzucht, hauptsächlich Flachs angebaut. Die klimatischen Voraussetzungen dafür waren bestens geeignet und so war der Grundstoff für eine prosperierende Leinenproduktion gegeben. Diese, teils als häusliches Nebengewerbe der Landbevölkerung, teils von über 300 Webermeistern in der Stadt Isny betriebene Leinwandherstellung, war die wirtschaftliche Grundlage in unserem Raum. Ein großer Teil der gefertigten Leinwand wurde von der um 1380 gegründeten Ravensburger Handelsgesellschaft, in der auch Isnyer Handelsherren Mitglied waren, sowie von vielen Isnyern Kaufleuten, auf eigene Rechnung, europaweit mit großem Gewinn verkauft.
Leinwand war für die damalige Bevölkerung fast das einzig bezahlbare Gewebe. Schwere Tuche oder feine Seidenstoffe waren nur für den Adel oder den Klerus erschwinglich. Die vielfältige Nutzung als Stoff für Oberbekleidung, Bett- Tisch- und Leibwäsche, als Segeltuch für die Schiffe oder als Planen für Wägen und Zelte usw. brachte eine große Nachfrage. Von Deutschland nach Warschau in Polen, in fast alle heutigen Ostblockländer, in die Schweiz, über die Via Mala nach Italien, nach Frankreich Spanien und Portugal, ja sogar im 17. Jahrhundert bis in die spanischen und portugiesischen Kolonien in der Neuen Welt wurde Leinwand von Isnyer Handelsherren aus unserer Gegend exportiert. Auf fast allen großen Messen wie Frankfurt a.M., in Lyon, in Zurzach, und wohlvermerkt in Bozen und Genf waren Isnyer Kaufleute vertreten. Diese Messen boten den Kaufleuten die Möglichkeit, Waren umzusetzen, Abrechnungen vorzunehmen oder auch Zahlungen zu tätigen.
Im 16. Jahrhundert hatte Isny die heutige Kreisstadt Ravensburg wirtschaftlich überflügelt, Die Isnyer Leinwand war für ihre Qualität und Güte weit berühmt. Neben dem Handel mit
Leinwand in vielfacher Art wurde im größeren Umfang von Isny aus zusätzlich Handel mit Salz und Sensen betrieben. Der erzielte Erlös kam in Form von begehrten Waren aus fremden Ländern zurück: Zucker, Straußenfedern, Gewürze( besonders Safran), Metalle, Farbstoffe, Edelsteine, Perlen und vieles andere mehr.
Doch die Handelsherren brachten nicht nur materiellen Gewinn mit nach Hause: neue Ideen, eine andere Lebensart, Kultur und Wissen waren in ihren Koffern und Truhen. Dieses wiederum führte zu hohem Ansehen,vermehrtem Wohlstand und einer nie da gewesenen Blüte in unserer Stadt. Isny hatte neben Konstanz im Jahr 1507 dank seiner Wirtschaftskraft als eine der ersten Städte im süddeutschen Raum von König Maximillian das Recht auf Münzprägung erhalten, ein Recht, eigenes Geld herzustellen Das war ein Privileg, um das es von vielen Städten beneidet wurde.Geld war und ist Mangelware. Im Mittelalter fehlte es oft an den entsprechenden Stückelungen und viele Münzherren stellten oft minderwertiges Geld her. Auch hier hatte Isny seinen guten Platz erworben und gab den eigenen Kaufleuten die Möglichkeit, mit Geld zu arbeiten,das sie kannten und dessen Güte untadelig war.
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Die Namen dieser Kaufleute findet man heute in Isny nur noch auf Straßenschildern, wie Weissland, Buffler oder Eberz. Viele sind jedoch nicht mehr so geläufig wie Mesnang, Spideli, Pfender oder Baldenhofer. Diese Kaufleute waren es, die den Namen unserer Stadt mit gutem Klang europaweit bekannt machten, die nicht nur Waren verbreiteten, sondern auch in anderen Bereichen tätig waren. Wer weiß es heute noch, dass der Isnyer Handelsherr Jacob Wissland im Jahr 1447 die deutsche Erfindung des Buchdruckes in Spanien einführte und dort die erste Bibel druckte, dass Peter Spideli der erste oberdeutsche Kaufmann war, der sich in London nachweisen lässt ? Oder, dass die Stadt Isny schon im Jahr 1333 einen Handelsvertrag mit Venedig abgeschlossen hatte. Vieles aus dieser Zeit ließe sich noch berichten.