Das Jahr im Zeichen des Flachses

Jäten und Ernte
War der Flachs etwa 5 bis 6 Wochen nach der Aussaat aufgegangen und zirka 15 cm hoch, begann die erste Arbeit auf dem Feld. Im Flachsfeld musste das Unkraut gejätet werden. Dabei halfen alle Bewohner des Hofes mit. Auf den Knien oder auf der Seite liegend, wurde das ganze Feld von jeglichem Unkraut befreit, damit der Flachs ungehindert wachsen konnte. Dass bei dieser Arbeit die jungen Triebe umgeknickt wurden, schadete dem Flachs nicht, im Gegenteil, der Flachs wollte getreten sein. Für etwa 15 Ar(1 Ar = 10x10 m) Fläche brauchten vier Personen gute 8 Tage zum Jäten. Den Sommer über brauchte sich der Bauer nicht um sein Flachsfeld zu kümmern. Erst im Frühherbst, etwa ab Mitte August, wenn sich die blauen Blüten in samenkapseln in Form kleiner Morgensterne verwandelt hatten und die Stängel und Blätter eine braune Färnbung bekamen, wurde der Flachs geerntet. Die Pflanze wurde mit samt der Wurzel aus dem Boden herausgerissen ("gliachat") und bei schlechtem Wetter zum Trocknen auf Heinzen (Hoinza) aufgelegt. Dazu wurde ein Hut aus Flachs oben drauf gesetzt (hierbei müssen die Samenkapseln nach unten zeigen, so dass eventueller Regen ablaufen konnte). Bei gutem Wetter ließ man den Flachs auch auf dem Felde liegen und trocknen. Dazu wurden die Stängel büschelweise mit den Samenkapseln nach Süden und die Wurzeln nach Norden ausgerichtet.

Als Spezialität wurde im Allgäu sogenannter "Reißlein" geerntet, das ist noch grüner Flachs. Er wurde für besonders hochwertiges, reißfestes Garn verwendet.

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