Spinn- und Wergrad funktionierten nach dem gleichen Prinzip: durch ein Tretbrett brachte man die Schwungräder zum Drehen, welche die, zwischen den angefeuchteten Zeigefinger und Daumen eingeführten Fasern schnell zusammenzwirbelten und auf einer Spule aufrollten.Das Garnspinnen war nicht einfach und setzte große Übung und Fingerfertigkeit voraus. Es durfte immer nur so viel an neuen Fasern aus der Kunkel herausgezogen werden, dass das Garn gleichmäßig dick oder dünn wurde. Außerdem durfte der Faden niemals abreißen. Es erforderte mindestens 10 Jahre Übung, bis eine Frau einen stets gleichmäßigen Faden spinnen konnte. Das feinste Garn wurde deshalb von den älteren Frauen gesponnen. Aus diesen feinen Fäden wurde dann auch das Nähgarn gezwirnt. Je feiner das gesponnene Garn war, um so höher war dann auch der Erlös auf dem Garnmarkt. |
Während die Frauen an den Spinnrädern arbeiteten, spannen die Kinder und Männer das grobe Garn (Werg) am Wergrad. War der Flachsvorrat aufgearbeitet, die Spulen des Spinnrades voll, so wurde das gewonnene Garn auf einer Haspel aufgewickelt. Die Haspel wurde mit einer Kurbel in Drehung versetzt und wickelte so das Garn vom Spinnrad auf die Haspel ab. Dabei zählte ein hölzernes Räderwerk die Umdrehungen. Nach etwa 50 Meter aufgewickeltem Garn wurde durch eine Holzfeder ein "Schnöller" erzeugt.
Nach jedem Schnöller wurde der Garnstrang mit einem Faden abgebunden. Zehn Schnöller ergaben einen Strang. Ein Strang war die Verkaufseinheit, nach der der Bauer auf dem Garnmarkt sein Garn an den Weber verkaufte.Die Tagesleistung einer Spinnerin, die von morgens 6.00 Uhr bis nachts 10.00 Uhr arbeitete, betrug 6 - 7 Schnöller mittleres Garn (1 Schnöller ca. 50-60 m Garn). Damit war die Arbeit des Bauern am Flachs beendet, falls er sein Garn nicht selbst zu Leinen verarbeitete, was meistens nur auf kleinen Höfen für den Eigengebrauch der Fall war. |
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