Das Jahr im Zeichen des Flachses

Vorbereitung zum Weben - Das Anzetteln
Bevor die eigentliche Arbeit am Webstuhl beginnen konnte, musste das Garn gesotten (mit Natronlauge zum Bleichen) und der "Zettel" oder die "Kette" hergestellt werden. Dabei wurden die Garnstränge, welche der Weber auf dem Garnmarkt erworben hatte, "schnöllerweise" (ca. 50 Meter Garn) auf Holzspulen aufgewickelt. Dies geschah auf dem Spulrad. Die nun gefüllte Spule wurde auf einen Spulrahmen oder Spulleiter gesteckt.

Die Kettfäden mussten so vorbereitet werden, dass sie sich nicht verheddern und leicht auf den Webstuhl zu spannen waren. Dazu benutzte man bei kurzen Garnlängen ein Scherbrett, für große Längen bis 50 Meter wurde ein Scherbaum benutzt. Auf einem Holzbrett wurden zweimal je drei Holzzapfen eingeschlagen, deren Abstand voneinander der Länge der Kettfäden zuzüglich einem Meter für den Rahmen entspricht. Das Garn wurde in Achterfiguren um diese Zapfen geschlungen, so dass es sich nicht verheddern konnte. Bevor man das Garn vom Scherrahmen nahm, band man die Garnschlaufen zusammen. Dann häkelte man die Kette zu einem Zopf zusammen.
Auf diesem Kupferstich aus dem Jahr 1788 sitzt der Webermeister am Webstuhl während der Geselle vom Spulrahmen das Garn auf den Scherbaum wickelt. Die Frau spult das Garn mit dem Spulrad auf die Spulen des Spulrahmens um.
Alle Fäden von dem Spulrahmen wurden nun auf den Scherbaum aufgelegt und in der ganzen Länge (50-60 m) auf diesen aufgewickelt. Dies wurde so oft wiederholt, bis die gewünschte Anzahl von Kettfäden auf den Scherbaum aufgewickelt waren Je nach Garn, Güte und Breite hatte ein Webstück zwischen 600 und 2.400 Kettfäden auf einer Breite von etwa 50 - 60 cm. Zum "Aufbäumen" des Webstuhls gehörte viel Geduld, und es war nicht verwunderlich, dass der Weber mitunter kräftig "fluchte", weil der Faden sich "verzettelte". So ist in alten Kirchenbüchern oft zu lesen "..der Webermeister Hansen zahlt 5 Pfund Wachs wegen gotteslästerlichen Fluchens..." Man sagt dem Weber nach, dass in einer Elle Tuches tausend Flüche stecken.
Beim Weben saß der Weber auf einem Brett am Ende des Webstuhls und warf das Weberschiffchen mit dem "Schussfaden" zwischen den Kettfäden hin und her. Die Füße betätigten dabei die Pedale, die sogenannten Schemel oder Tritte, um die Kettfäden zu kreuzen und so das Gewebe herzustellen.

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