Isnyer Geldgeschichte
Im Jahr 1096 n. Chr. gründeten die Grafen von Veringen in Isny ein Kloster und bauten die Ansiedlung zu einem Marktflecken aus. Damals ist der Naturalientausch üblich gewesen und dürfte bis etwa 1150 angehalten haben. Um diese Zeit traten in Oberschwaben und dem Allgäu die ersten Hohlpfennige oder Brakteaten auf. Dies sind papierdünne, einseitig geprägte Silbermünzen von sehr hohem Feingehalt. Es war das gängige Geld für den Kleinhandel und den Marktverkehr.
Die Herren von Isny, die Grafen von Veringen sahen sich genötigt, nachdem Isny zum Marktflecken angewachsen war, für gemünztes Geld zu sorgen. Da die Münzprägung dem Marktherren beträchtlichen Gewinn brachte und an einem Münzrecht der Veringer heute niemand zweifelt, sprechen wichtige Gründe dafür, dass dieselben im 12. - 13. Jahrhundert für Isny und höchstwahrscheinlich auch in Isny Münzen geprägt haben. Wie lange diese Münzstätte Bestand gehabt hatte, ist heute nicht mehr festzustellen. Im Jahr 1240 gab der damalige Bischof Heinrich 1. von Konstanz eine Münzordnung heraus, darin werden die Prägungen der Grafen von Veringen nicht mehr erwähnt. Für diese und die nachfolgende Zeit waren Brakteaten aus der königlichen Münzstätte in Ravensburg, Lindau, Überlingen und Kempten das gängige Zahlungsmittel in Isny. Wegen ihrer fast 200 Jahre dauernden Gültigkeit wurden sie ewige Pfennige genannt.
Ab Mitte des 13. Jahrhunderts war der Häller, eine Münze der Stadt Hall am Kocher im raschen Vordringen begriffen. Als Beleg dürfte dafür stehen, dass sich die Stadt Isny 1365 für 9000 Pfund Heller aus der Herrschaft der Truchsessen von Waldburg freikaufte.
Die im Lauf der Zeit von den Münzherren verschlechterte Münze zwang die Reichstädte Ulm, Konstanz, Überlingen, Ravensburg, Lindau, St. Gallen, Wangen, Buchhorn, Reutlingen, Rottweil, Memmingen, Biberach, Leutkirch und Isny am 4. Juli 1376 zu einem Bündnis, in welchem eine Neuregelung des Geldverkehrs vorgenommen wurde. 36 schwäbische und fränkische Städte unter Vorsitz des Landgrafen Hans von Leuchtenberg als Bevollmächtigter des Königs waren in diesem Bund vereinigt. Als erstes größeres Silberstück trat in ganz Schwaben ab 1300 der Prager Groschen auf. Er galt 6 Pfennige oder 12 Heller, so dass man 1 Pfund Heller mit 20 Groschen bezahlen konnte. Um 1390 fingen die Städte an, gute Prager Groschen mit einem Stempel zu versehen. Dies hatte zu bedeuten, dass die Münze in der jeweiligen Stadt Geltung hatte.
Isny stempelte mit einem Stempel von ca. 6 - 8 mm Durchmesser, der das Hufeisen des Stadtwappens trug (siehe Münzvitrine Museum am Mühlturm). Nicht gestempelte Münzen brauchten nicht angenommen werden. Seiner oft schlechten Qualität wegen wurde zwar immer wieder versucht, den »behemischen Groschen« aus dem Verkehr zu ziehen, jedoch der Mangel an Silbergeld ließ ihn bis im Jahr 1508 in Isny gelten. Er verschwand als Zahlungsmittel, weil von 1508 bis 1532 massenweise Batzen geprägt wurden.
Als weitere Münzen sind für die Zeit des 15, Jahrhunderts noch die sogenannten »Blaphart«, das sind ebenfalls Großmünzen, die aus dem Schweizer Gebiet nach Isny kamen, zu nennen (Blaphart = 14 Heller). Ferner kam durch die Handelsbeziehungen, die Isny zu Venedig hatte, aus Meran der Kreuzer zu uns. Seiner Herkunft nach wurde er Etschkreuzer genannt (1 Kreuzer = 6 - 9 Heller).
Münzen aus Italien waren ebenfalls gängiges Zahlungsmittel in Isny und wurden auch von Isny gegengestempelt. Aus Italien wurden erstmals auch Goldmünzen nach Isny gebracht. Venezianische Dukaten sowie Goldgulden aus Florenz waren in Isny seit 1340 gängige Münzen. Mit solchen Dukaten erkaufte sich Isny 1381 von Truchsess Otto von Waldburg den Salzmarkt und die freie Wahl des Bürgermeisters usw. gegen 300 Gulden.
Die Teilnahme Isnys an den Münzvereinen 1404, 1423 und 1501
Die oberschwäbischen Städte hatten bald erkannt, dass sie von den jeweiligen Münzherren ausgebeutet wurden und es für sie deshalb von Vorteil wäre, die Münzprägung selbst in die Hand zu nehmen. 1404 ergriffen sie die Möglichkeit, sich mit dem Grafen Eberhard 111 von Württemberg zu einer gemeinschaftlichen Ausprägung zu vereinigen. Neben Isny nahmen die Städte Ulm, Biberach, Lindau, Pfullendorf, Konstanz, Überlingen, Ravensburg, Memmingen, St. Gallen, Kempten, Wangen, Leutkirch und Buchhorn teil. Zur Ausprägung gelangten »Schillinger«, Heller und Pfennige. Nach deren Ausgabe sollten alle anderen Münzen ungültig werden. Dem mit großer Mühe ins Leben gerufenen Münzbund war aber wegen der Uneinigkeit und der Eigenbrötelei der Parteien kein durchschlagender Erfolg beschieden.
Isnyer Münzen vor 1508
Als erste Münzen der Stadt Isny erscheinen ab etwa 1365 die sogenannten "Händlein-Heller" in mehrfacher Ausfertigung mit einem Gewicht von etwa 0,40 Gramm. Ansonsten hat die Stadt Isny nur Prager Groschen gegengestempelt.
Die Isnyer Münzprägung ab 1508
Bei keiner anderen oberschwäbischen Stadt trat der Zusammenhang von Münze und Wohlstand so deutlich in Erscheinung wie in Isny. Durch fleißige Arbeit und regen Handel erwarben seine Bürger so viel Geld, dass sie sich im 14. Jahrhundert von der Abhängigkeit ihres Stadtherren freikaufen konnten.
Im 16. Jahrhundert hatte Isny die heutige Kreisstadt Ravensburg wirtschaftlich überflügelt, die Zahl seiner steuerzahlenden Bürger stieg auf 650 an. Pro Jahr wurden für über 150.000 Gulden (sind nach heutiger Rechnung 4,6 Millionen Euro) Leinenwaren in alle Welt exportiert. Die Verleihung des Münzrechtes im Jahr 1507 machte die Prosperität der Stadt besonders deutlich. Isny war allen anderen Städten in Schwaben außer Konstanz voraus und begann auf eigene Verantwortung und Rechnung eigene Münzen zu prägen.
Das Isnyer Münzrecht von 1507
Am 16. Mai 1507 verlieh König Maximilian in einem sehr gnädig gehaltenen Schreiben an die Stadt Isny das Recht zur Prägung der damals üblichen Silbermünzen.
... Wir Maximilian, von Gottes Gnaden Römischer König, zu allen Zeiten Wehrer des Reiches zu Ungarn, Dalmatien, Kroatien, Erzherzog zu Österreich, Herzog zu Burgund etc. etc. bekennen öffentlich mit diesem Brieff und thun aller männiglich, das wir angesehen und wahrgenommen Unser und des Reiches lieben getrewen Bürgermeister und Rat der Stadt Isni vor deren Redlichkeit, auch getrew und wollig im Dienst so sie Uns und dein heyligen Reich offt willigelich gethan haben und hinfür in künftig Zeit wohl tun mögen und sollen, und haben darum demselben Bürgermeister und rath zue Isni und Ihren Nachkommen daselbst gegönnt und erlaubt, Gönnen und Erlauben ihnen auch von Römischer Königlicher Machtvollkommenheit wissentlich in Kraft dis Briefs:
Als daß Sie in der berührten Statt Isni Münz aufrichten und dieselbe silbrin Müntz, haller, pfennig, Groschen bis in den Gulden under berührten Statt Isni Titul und auf der einen Seiten Unser und des Reichswappen der Adler und der anderen Seiten derselben Statt Isni Wappen und Zeichen sich an ihrem Werthe und Gütte Unser und des Reichs Churfürsten Müntz redlich zu vergleichen und nit minder noch geringer..
gegeben zu Constanz 16. Mai 1507.
(Originalurkunde im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart, Reproduktion im Museum am Mühlturm Isny, Münzausstellung).
Mit geradezu bewundernswerter Tatkraft hatte sich Isny nach Erhalt des Münzprivilegs an die Verwertung desselben gemacht, sonst wäre es nicht möglich gewesen, schon im darauffolgenden Jahr Heller, Pfennige, halbe und ganze Batzen in großer Zahl herauszugeben. Die Aufgaben, die zu lösen waren, sind beträchtlich gewesen. An erster Stelle ist hier die Bestellung eines Münzmeisters, die Einrichtung der Münzstätte, die Beschaffung des Silbers sowie die Herstellung von Prägestempeln zu nennen.
Die Isnyer Münzmeister
Als erster Münzmeister wird Jörg Oberer genannt. Dieser war 1501 Münzmeister des Sieben Städte Bundes in Ulm. Er war von 1507 - 1513 als Münzmeister für Isny tätig. 1513 bis 1522 war Bartholomäus Widmann aus Konstanz Münzmeister. Ihm folgte von 1522 - 1545 Albrecht Baumgartner aus Köln. Von 1554 - 1555 war Claus Koch Münzmeister zu Isny. Als letzte Münzmeister werden Hans-Jakob Hau von Leutkirch (1695 - 1702) und Hans Jakob Seyfried, Kantengießer und Ratsmitglied genannt.
Folgende Münzmeister- bzw. Stempelschneiderzeichen treten auf Isnyer Münzen auf:
1508 und 1522
1513 - 1522
1554 - 1555
1522 - 1545
Das Münzhaus
Es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wo die Münze in Isny gestanden hat. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, dass das Gebäude Nr. 175, die sogenannte Stadtmühle (heute Museum am Mühlturm), dazu diente. Diese wird in einem Münzinquisitationsprotokoll vom 26. Februar 1705 erwähnt. Man darf sich bei einer solchen Münze nicht ein großes Fabrikationsgebäude vorstellen. Wahrscheinlicher ist es, dass die Münze in einer Kupferschmiede oder auch in einer Flaschnerei untergebracht war.
Dauer und Ende der Münze Isny
Mit der Bestellung von Jörg Öberer als Münzmeister 1507 wurden in Isny Drittelgüldiner, Batzen, Halbbatzen und Kleinmünzen geprägt. Den Löwenanteil nahmen dabei die Batzen ein. Wegen zu hohen Feingehalts wurden die Drittel-Güldiner und die Halbbatzen nur sehr spärlich ausgegeben. Nicht geklärt ist auch die Vermutung, ob man in Isny für den Schwäbischen Bund geprägt hat. Die o.a. Münzsorten wurden mit Unterbrechungen bis 1701 ausgeführt. Zeitweilig hatte man so schlechte Münzen hergestellt, dass Isny mit einem reichsfiskalischen Prozess verfolgt wurde. Man warf den Isnyern vor, gutes Geld eingeschmolzen und dann schlechteres daraus gemacht zu haben (1622). Von 1695 - 1702 wurden in Isny nochmals in großem Umfang Kupfermünzen in beträchtlichen Mengen ausgeprägt. In diesem Zeitraum wurden 5342 Pfund Kupfer zu 3.594.556 Pfennigen verarbeitet und damit nach einer Abrechnung in 3 Jahren ein Reingewinn von 6000 Gulden erzielt.
In den Jahren 1701/1702 wurden sogenannte Billonkreuzer, insgesamt 263.971 Stück geprägt, die 1705 vom Schwäbischen Kreiswardein Pfeffenhauser als zu gering bezeichnet wurden. 1705 wurde die Isnyer Münzstätte durch den schwäbischen Kreis liquidiert. Schlechte Kreuzer wurden zuletzt am 10. April 1726 von der schwäbischen Kreisversammlung in Memmingen verrufen. Isny hat dann nur noch 1732 gemeinsam mit Lindau, Wangen und Leutkirch in der Münzstätte Langenargen Halb- und Viertelkreuzer schlagen lassen. Die letzten Münzen, die den Namen von Isny trugen, wurden 1918 als Kriegsnotgeld zu 25 und 50 Pfennig ausgegeben.
Damit war die Münzgeschichte der Stadt Isny beendet.
Kurzbeschreibung der Techniken des Münzprägens
Die Prägestempel
Wer das Recht verliehen bekam, Münzen herzustellen, musste sich zur Herstellung derselben erst einmal Prägestempel beschaffen. Diese wurden von Siegel- oder Stempelschneidern (heute sagt man Graveur) angefertigt. In Isny sind vier verschieden Stempelschneider bekannt. Das damals zur Herstellung von Münzstempeln verwendete Eisen war nach unseren Begriffen von schlechter Qualität. Die Schwierigkeit, ein spiegelverkehrtes Bild in ein Stück Eisen zu gravieren, war eine besondere Kunst. Genau so schwierig war es, guten Stahl zur Herstellung der Prägestempel zu bekommen. Nach dem gravieren wurde der Prägestempel gehärtet um so einer zu schnellen Abnützung vorzubeugen. Immer wieder sind Stempel zersprungen oder waren so stark abgenutzt, daß sie nachgeschnitten wurden. Mit einem Stempel konnten etwa 20.000 Münzen geprägt werden. An dem noch vorhandenen Bestand von über 217 Prägestempeln läßt sich ersehen, daß Isny Münzen in bedeutenden Mengen geprägt hat. Leider sind keine Angaben über den Silbereinkauf mehr vorhanden, aus denen man auf die Zahl der Prägungen schließen kann.
In der Regel wurden die Prägestempel, wenn sie nicht mehr gebrauchsfähig waren oder die Prägezeit abgelaufen war, ausgesondert und vernichtet oder wieder zu neuen Stempelmaterial eingeschmolzen. In Isny haben sich 217 Prägestempel aus dieser Zeit aus unerfindlichen Gründen erhalten und bilden einen wichtigen Teil der im Isnyer Museum zu sehenden Münzwerkstatt.
Prägematerial
Aus Rohsilber, alten Münzen oder defektem Silbergerät (Pagamenten) wird in der Esse in einem Schmelztiegel das Silber geschmolzen und eventuell mit anderen Metallen wie Kupfer vermischt. Von dem Schmelzgut wird vom Münzwardein (Prüfer) eine Probe entnommen und auf den Feingehalt untersucht. Wenn die Probe in Ordnung ist, wird das flüssige Silber in die Zaine, das ist eine Gießform gegossen. Nach dem Erkalten werden dann die Silberstreifen der Form entnommen. Sie sind ca. 45 bis 60 cm lang und 3 bis 6 cm breit. Auf einer Richtplatte, später mit einem Streckwerk werden die Silberstreifen auf die gewünschte Stärke gereckt. Danach wird mit einer Stückelschere, in späteren Jahren (ab 1550) mit einem Durchschnitt, der Münzrohling ausgeschnitten. Durch das Strecken ist der Münzrohling wieder hart geworden und muss vor der weiteren Bearbeitung nochmals ausgeglüht (d.h. "weichgemacht") werden.
Prägen der Münzen mit dem Hammer
Nach dem Ausglühen in der Glühpfanne wurde der Münzrohling auf dem Prägestock mit dem Ober- und Unterstempel durch Hammerschläge ausgeprägt.
Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts wurden die Münzen von Hand geschlagen. Der "Münzer" legte dazu ein Metallplättchen, bis heute Schrötling genannt, auf einen freiliegenden oder arretierten Unterstempel. Das vom Unterstempel geprägte Münzbild entspricht der Vorderseite (Avers). Darauf setzte man den Oberstempel oder Festhaltemeißel auf den Schrötling, in dem sich die Rückseite (Revers) der Münze befand. Auch dieser wurde anfangs frei, später mechanisch geführt. Durch 4 bis 5 kräftige Hammerschläge wurde das Münzbild in den Schrötling hineingetrieben. Dieses System hatte einen großen Vorteil: Die "Münzprägeanstalt" war dadurch sehr mobil, alle notwendigen Werkzeuge konnten problemlos und schnell transportiert werden. Schon die Römer nutzten diesen Vorteil, indem sie in Schlachten und Kriegen gewonnene Metalle noch auf dem Felde zu Schrötlingen verarbeiteten und daraus Münzen schlugen. Die Kriegsbeute konnte so in kürzester Zeit als Wehrsold - in Münzform - an die Soldaten ausgezahlt werden. Handgeschlagene Münzen erkennt man sofort: Die Stücke sind selten ganz rund, das Münzbild nicht immer zentriert und manchmal sieht man Teile des Münzbildes doppelt. Die Ränder sind fast immer unregelmäßig und oft "gekerbt". Jedes Stück wurde einzeln gefertigt; und deshalb gleicht keines exakt dem anderen.
Anschließend nach dem Prägen wurde die Münze in einem säurehaltigen Sud (meist wurde Urin verwendet) weißgekocht, d.h. sie wurde einer chemischen Reinigung unterworfen.
Danach wurde die Münze nochmals gewogen, zu große (schwere) Stücke wurden mit der Benehmschere auf passendes Gewicht gebracht, zu leichte Münzen wurden wieder eingeschmolzen. Abschließend wurden die Münzen in einem Polierfass poliert. Nun waren die Münzen zur Ausgabe fertig.
Im 17. Jahrhundert wurden Kleinmünzen schon mit Maschinen, dem sogenannten Taschenwerk und dem Klippwerk ausgemünzt. Größere Münzen wurden später auf einer Spindelpresse, dem sogenannten Balancier, oder mit einem Fallhammer ausgeprägt.
Maschinelle Herstellung von Münzen
Walzen der Rohlinge
Mit der Einführung eines "Streckwerkes", wie die Walzmaschine auch genannt wurde, konnte man gleichmäßig dicke Schrötlinge herstellen. Die Blechstreifen (Zaine) wurden anschließend mit der Stückelschere grob ausgeschnitten und mit der Benehmschere rund geschnitten. Später wurden die Schrötlinge maschinell mit einem "Durchschnitt" ausgestanzt.
Ausstanzen der Rohlinge
Mit einer Stanzmaschine, dem sogenannten "Durchschnitt" konnten ab dem Jahr 1550 gleichmäßig runde Münzrohlinge hergestellt werden. Dadurch war eine Verarbeitung in der Spindelpresse oder dem Fallhammer ermöglicht. Sie hatten auch den Vorteil, dass nun die Münzen auch gerändelt werden konnten. So konnte man erstmals optisch sofort erkennen, ob der Rand einer Silber- oder Goldmünze abgefeilt und dadurch die Münze in unerlaubter Weise abgewertet worden war.
Prägen mit Maschinen
Das Klippwerk war eine Verbesserung des Handprägevorganges mittels Hammer. Hier wird der Oberstempel in einem Schaft geführt, während der Unterstempel in einem einen Ambos ähnlichem Untergestell fest eingesetzt ist. Durch einen kräftigen Schlag mit einem großen Hammer werden die Prägestempel so auf den Rohling aufgeprägt. Ein kleiner Auswerferhebel wirft die fertig geprägte Münze aus der Maschine und ein neuer Rohling wird von Hand wieder eingelegt.
Das Taschenprägwerk walzte mit zwei halbrunden Prägestempeln das Abbild des Stempels in einen Blechstreifen. Das Taschenprägwerk wurde mittels einer Kurbel von Hand angetrieben. Mit ihm ließen sich nur Kleinmünzen herstellen, die anschließend mit einem Durchschnitt aus dem Blechstreifen ausgestanzt wurden. Die mittels eines Taschenprägwerks hergestellten Münzen weisen meistens eine leichte Wölbung auf und fallen oft auch etwas eiförmig aus.
Die Spindelpresse oder der Balancier wird etwa seit 1550 zur Münzprägung verwendet. Durch den hohen Druck (15 - 100 Tonnen) der mit ihr erzielt werden kann, waren die Münzen bedeutend besser geprägt. Kurze Zeit danach entstand die Walzwerkprägung, was eine weitere Rationalisierung bedeutete. Das Walzwerk wurde meistens durch Wasserkraft, oft aber auch durch Pferdekraft mittels eines "Göpels" angetrieben. Hier wurde das Schrötlingsmetall zunächst ausgehämmert oder zu Platten gewalzt und dann in Streifen geschnitten. Diese Streifen wurden nun durch die Walzen getrieben und dadurch die Prägung hergestellt. Nach der Prägung wurden die nun geprägten Münzen aus diesem Blechstreifen ausgestanzt. Die so hergestellten Münzen waren recht dünn. Man erkennt sie an einer leichten Wölbung. Erwähnt seien hier noch die Fallhammerprägung und die Zangenprägung. Bei der Fallhammerprägung zieht man ein Gewicht an einem Strick nach oben, um es ähnlich wie beim Fallbeil nach unten auf den Prägestempel fallen zu lassen. Mit dem Fallhammer können Münzen bis etwa 30 mm Ø bei einem Druck bis etwa 80 Tonnen hergestellt werden. Die Zangenprägung wurde mit einer sogenannten Prägezange durchgeführt. Diese wurde meist dazu benutzt, um Gegenstempel in bereits geprägte Münzen einzudrücken. Seit 1786 wird die Dampfkraft für die Münzprägung genutzt. 1817 erfand D. Uhlhorn in Grevenbroich die sogenannte "Kniehebelpresse", auf die die heutigen Münzprägemaschinen zurückgehen. Moderne Prägeautomaten prägen mit höchster Präzision Tausende Münzen pro Stunde. Hier muss natürlich zwischen Umlaufmünzen und Gedenkmünzen unterschieden werden, da der Prägeaufwand für die Gedenkmünzen wesentlich höher ist.
Quellennachweis:
Akten des Stadtarchivs Isny
Kammerer: Isny im Allgäu
Dr. K. F. Eisele: »600 Jahre Freie Reichsstadt Isny 1365 - 1965«
Otto Lanz, Münz- und Geldgeschichte von Isny in »Württembergische
Vierteljahreshefte für Landgeschichte« N.F. XXXV 1 und 2 Heft 1929
Elisabeth Nau, »Die Münzen und Medaillen« der Oberschwäbischen Städte.
Adolar Wiedemann, »Die Prägestempel der ehem. freien Reichsstadt Isny im Allgäu«
Artur Suhle, »Deutsche Münz- und Geldgeschichte von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert«
Moser-Tursky, »Die Münzstätte Hall in Tirol 1477 - 1665«
John Porteous, »Münzen - Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur«
Helmut Caspar, »In meiner Münz schlag ich gericht...«
Münztechnik auf historischen Bilddokumenten
Martin Jessop Price, »Die Münzen der Welt«
Briasson, Recueil de Planches sur les Sciences, les Art Liberaux et les
Arts Mächaniques, avec leur Explication. 1771