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Die Geschichte vom blauen Allgäu
Im Zeitalter der modernen Kunststoffe und der pflegeleichten Gewebe, die unser Leben leichter und farbiger gestalten, ist es am Platz, sich das alte, handwerkliche Können und die Fertigkeiten, welche nötig waren, um aus einem Leinsamenkorn ein fertiges Stück Leinwand zu erhalten, vor Augen zu führen.
Wir haben heute keine Ahnung mehr davon,auf welch mannigfaltige Weise früher viele Menschen das ganze Jahr hindurch mit der Herstellung von Leinwand beschäftigt waren, welche Geräte dazu benutzt wurden und welches alte Brauchtum damit verbunden war.
Kaum einer macht sich über diesen Handwerkszweig, der zu den Grundpfeilern unserer Kultur gehört, Gedanken.
Die Werke der von uns so sehr geschätzten alten Meister - was wären sie ohne ihre "Grundlage" - der Leinwand?
Die Entdeckungsfahrten eines Kolumbus oder eines Vasco da Gama ohne die großen Leinwandsegel, die ihre Schiffe über das Meer trieben, hätten sie überhaupt stattfinden können?
Letztendlich, ist es nicht auch unsere Bekleidung, die uns von einem "nackten Wilden" zum Kulturmenschen macht?
Sich derartiger Dinge zu erinnern, sie zu pflegen und auch zu achten, sie für unsere Nachkommen zu bewahren sollte für uns Gegenwartsmenschen eine Pflicht sein. In diesem alten Handwerk und Gewerbe, auch wenn es zum Teil arm war, klingt trotzdem eine Melodie des Fleißes und des Erfolges aus vergangenen Tagen zu uns herüber.
Im Museum am Mühlturm in Isny kann man alle Arbeitsgänge, die auf dem Feld, in der Tenne, in der Spinnstube und in der Weberei zur Verarbeitung notwendig waren, nachvollziehen. Ein reich bestückter Aussteuerschrank zeigt die Ergebnisse dieser aufwändigen Arbeit.

Begleittext für die Ausstellung im Museum am Mühlturm in Isny
von Martin Kratzert

© 2008 Alle Rechte Städtische Museen Isny

Allgemeine Geschichte

Bereits in der Steinzeit, etwa vor 4-5 Tausend Jahren wurde neben den Kulturpflanzen Gerste, Weizen und Hirse schon Flachs angebaut. Man fand Leinwandreste in prähistorischen Gräbern. Die Heimat des Flachses ist vermutlich...
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Heimatgeschichtlicher Hintergrund
In unserer Gegend wurde im späten Mittelalter von der Landbevölkerung neben der Erzeugung von Grundnahrungsmitteln, etwas Viehzucht, hauptsächlich Flachs angebaut. Die klimatischen Voraussetzungen dafür waren bestens geeignet und so war der Grundstoff für...
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Anbau im Allgäu

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts sprach man wegen der vielen blaublühenden Flachsfelder vom »blauen Allgäu«. Seit dem Mittelalter war der Flachsanbau und die Verarbeitung zum Garn die... mehr Infos...

Das Jahr im Zeichen des Flachses.

Vorbereitung des Ackers und Aussaat
Wenn im Herbst die Felder abgeerntet waren, wurden sie umgepflügt und die Schollen bis zum Frühjahr zum Ausfrieren liegengelassen. Im Frühjahr, kurz vor den Eisheiligen, wurde...
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Brauchtum
Wird es ein gutes Flachsjahr werden? Allerlei Wünsche und Gesten das ganze Jahr über nehmen Bezug auf das...
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Jäten und Ernte

War der Flachs etwa 5 bis 6 Wochen nach der Aussaat aufgegangen und zirka 15 cm hoch, begann die erste Arbeit auf dem Feld. Im Flachsfeld...
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Das Flachsriffeln
Nach etwa 14 Tagen, wenn die Stängel trocken waren, wurden sie auf einem Leiterwagen in die Tenne gefahren. Sorgfältig war...
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Flachsbearbeitung - Rösten des Flachses

Das beim Riffeln anfallende Stroh (Nuscheln) wurde dann auf einem Hackklotz mit dem Flachsbleul, das ist ein dreikantiger, aus Hartholz gefertigter...
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Das Spinnen des Flachses
Wenn im Spätherbst oder im Frühwinter die Feldarbeit beendet war, die Frucht gedroschen und Feld und Hof wieder in Ordnung waren, zog man sich in...
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Das Spinnen

Vor den Bänken standen die Spinnräder, daneben auf einem eigenen runden Sockel die hohen Kunkeln oder Spinnrocken. Neben dem Hochrad gab es noch...
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Spinnlieder
Spinn, Spinn, meine liebe Tochter
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Leinwandhandel und Gewerbe im Mittelalter in Isny

Der städtischen Gründung der Grafen von Altshausen-Veringen ist trotz der Ungunst der geographischen Lage ein bemerkenswerter Aufschwung beschieden gewesen. Wenn wir uns fragen, wie es möglich war, dass...
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Allgemeine Geschichte über die Weberei

Die Weberei gehörte neben der Wirkerei und der Töpferei zu den ältesten Handwerken der Menschheit. Gewichtswebstühle waren spätestens seit dem Neolithikum bekannt. Bei diesen wurden...
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Vorbereitung zum Weben - Das Anzetteln

Bevor die eigentliche Arbeit am Webstuhl beginnen konnte, musste das Garn gesotten (mit Natronlauge zum Bleichen) und der "Zettel" oder die "Kette" hergestellt werden. Dabei wurden...
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Das Weben
Moderne Webstühle sehen fürchterlich kompliziert aus, aber jedes Teil daran ist das Resultat einer jahrhundertlangen Entwicklung, und wenn man einmal verstanden hat welches Teil was tut und warum, ist das Arbeiten mit dem...
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Spannung und endlose Kettfäden, Schnelles Weben und Webschäfte

Man muss beim Weben die Schussfäden immer wieder zusammenschieben, damit der Stoff dicht wird. Dazu wird der Webkamm benutzt, ursprünglich...
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Bleichen
Die Leinwandbahnen wurden morgens ausgelegt und abends wieder in dem Bleicherhaus aufbewahrt. So wurde dem Leinwanddiebstahl vorgebeugt.
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Das Walken oder Mangen, Die Leinwandschau in Isny

In Isny war eine Walke in der Nähe der Achquelle in der Vorstadt und vermutlich in späterer Zeit in der Appretur am oberen Graben. Nach...
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