Die Adelegg

Die Adelegg - eine Kurzbeschreibung
Die Adelegg ist ein Gebirgszug des Voralpenlandes. Sie ragt als ein Ausläufer der Allgäuer Alpen weit in das Alpenvorland hinaus und wird begrenzt durch die Wasserläufe der Eschach im Osten und Norden, der Wengener Argen im Süden und der Unteren Argen im Südwesten.
Auf dem Kamm der Adelegg verläuft die Europäische Wasserscheide. Während die Argen in den Bodensee und über den Rhein in die Nordsee mündet, fließt die Eschach in die Iller und von dort über die Donau ins Schwarze Meer.
Die Adelegg liegt auf bayrischem und württembergischem Gebiet. Der größte Teil davon gehört zur Gemeinde Isny. Der Schwarze Grat ist mit 1118 Metern Höhe der höchste Berg Württembergs.
An verschiedenen Stellen der Adelegg genießt man eine herrliche Sicht auf die nähere und weitere Umgebung. Von den Bayrischen Alpen im Osten bis hin zu den Schweizer Bergen im Westen reicht der Blick. In Richtung Norden sieht man weit auf das Land hinaus.
Seit März 1994 steht das gesamte Gebiet der Adelegg unter Landschaftsschutz

Die Entstehung der Adelegg
Im Tertiär (vor 67 bis 2 Millionen Jahren) falteten sich die Alpen auf. Durch das Gewicht der aufgetürmten Gesteinsmassen senkte sich nördlich der Alpen ein Becken ein. Dieser Trog lag zeitweise unter dem Meeresspiegel und füllte sich wiederholt mit Süß- beziehungsweise mit Meerwasser.
Die Alpenflüsse transportierten gewaltige Mengen Schutt und Geröll aus dem Alpenraum und lagerten sie in diesem Becken ab. So entstand die Molasse, eine bis zu 5.000 Meter dicke Schicht aus Mergeln, Sandsteinen und Konglomeraten.
Einer dieser Alpenflüsse war die Ur-Iller. Sie formte mit ihrem Ablagerungsmaterial ein mächtiges Delta, das den Grundstock für unsere heutige Adelegg bildete.
Die Adelegg besteht aus den jüngsten Ablagerungen der Oberen Süßwassermolasse. Diese wurde nicht mehr gefaltet (vgl. die Alpen), statt dessen aber kräftig gehoben. Das Deltagebiet der Ur-Iller wurde am Schwarzen Grat von Meereshöhe auf über 1100 Meter hochgedrückt.
Aus dem früheren Aufschüttungsgebiet wurde ein neues Gebirge, welches nun seinerseits der Abtragung ausgesetzt war. Die Erosion räumte großflächig die weicheren Mergelschichten im Osten und Westen der Ur-Iller aus, während die Nagelfluhschichten des ehemaligen Deltas sich widerstandsfähiger zeigten und der Abtragung trotzten: die Adelegg wurde herausgeformt.
In den verschiedenen Eiszeiten wurde das Allgäu und damit auch die Adelegg in die heutige Form gebracht. Die letzte Eiszeit, die Würmeiszeit, endete erst vor etwa 10.000 Jahren.
Eine Besonderheit der Adelegg zeigen die weit in die Hänge eingeschnittenen tiefen Tobel, welche durch das erosionsanfällige Gestein der Molasse und das Geschiebe der Eiszeiten entstanden sind. In den Tobeln ist der Aufbau der verschiedenen geologischen Schichten sehr gut zu sehen.
Zwischen den Nagelfluhbänken (Konglomerate) liegen schichtweise Mergel- und Sandsteinschichten.

Die Tier- und Pflanzenwelt
Wie bei allen Bergen des Alpenvorlandes sind die Jahresniederschläge und die Luftfeuchtigkeit der Adelegg sehr hoch. Außerdem bilden die tertiären Gesteine einen außerordentlichen nährstoffreichen Untergrund. Deshalb ist die Vegetation sehr üppig und es hat sich ein hoher Artenreichtum entwickelt.
Auf den Waldrodungen, wo die Niederschläge die Nährstoffe ausgewaschen haben, entwickelte sich der Borstgrasrasen mit Beständen von Arnika und Heidekraut. An Viehlagerplätzen dagegen, wo sich Nährstoffe anreicherten, wachsen Hochstauden. Dort, wo sich Quellen befanden, wachsen Pflanzen des Flachmoors und es entstanden die Sumpfwiesen. Die Schotterbänke entlang den Bächen sind mit Pestwurzfluren überzogen.
Viele Tobel sind in ihrer Ursprünglichkeit erhalten und von Menschenhand fast unberührt geblieben. Hier finden wir zahlreiche subalpine Pflanzenarten wie die Bergflockenblume, die Alpenheckenrose, den Bergbaldrian, das Alpenmaßliebchen und den Türkenbund. Auch die Eibe, heute ein seltener Nadelbaum, kommt in einzelnen Tobeln noch vor.
Trotz der in den letzten Jahrzehnten entstandenen Waldwege für die moderne Forstwirtschaft durchschneiden nur wenige Straßen die Adelegg. Daher befindet sich hier eine ausgedehnte verkehrsberuhigte Zone, die manchen empfindlichen Vögeln und Großtieren wie Rothirsch und Gämse Schutz bietet.
Manche Tierarten sind aus den Alpen eingewandert (Gämsen) und hier heimisch geworden. Daneben sind jährliche Wanderungen, zum Beispiel von Jungvögeln, zu beobachten. Es gibt aber auch periodische Ausbreitungen von ganzen Populationen. Dies ist unter anderem bei Birkenzeisigen und Tannenhähern zu beobachten.
Während der Laichzeit im Frühjahr sind jährlich Tausende von Lurchen von den Hängen der Adelegg unterwegs zu ihren Laichgewässern am Fuße des Gebirges.
Das Wasser der Bäche ist frisch und sehr sauerstoffreich, ein idealer Lebensraum für die Bachforelle. An den Bächen lebt und nistet die Wasseramsel und auch der seltene Eisvogel kann hier beobachtet werden.

Die Land- und Forstwirtschaft
Mit den Rodungen der Glasmacher begann die Geschichte der Landwirtschaft auf der Adelegg. Das Gut Herrenberg wurde zwar schon 1188 vom Kloster Isny gegründet, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden dann auf dem Bergrücken der Adelegg weitere zwanzig Bauernhöfe. Die Siedler waren Leibeigene des Klosters Isny und sie mussten härteste Arbeit leisten, bis ihr Besitz in brauchbare Wiesen und Felder verwandelt waren. Die Höfe waren klein, aber es gab vielfachen Nebenerwerb, wie Holzmachen oder das Sammeln von Kieselsteinen zur Glasherstellung.
Ab der Mitte des letzten Jahrhunderts verschwanden die meisten Höfe, 1974 gab die Familie Kehrer als letzte ihren Hof auf. Die Bedingungen waren zu hart. Das raue Klima, die langen Winter, die weiten Wege zur Kirche, Schule, zu den Geschäften und vor allem die geringen landwirtschaftlichen Erträge machten dem Leben der Bergbauern, wie anderswo auch, ein Ende. Viele Höfe wurden abgebrochen oder verfielen, Äcker und Wiesen wurden zu Weiden, oder vielfach wieder zu Wald.
Das Wenger Egg wird als einzige Alpe noch bewirtschaftet. Die Wiesen des Herrenberges dienen noch als Sommerweiden für Jungvieh. Wenn man heute über die dichtbewaldete Adelegg wandert, kann man sich nur noch schwer vorstellen, dass hier einmal über Generationen hinweg ein reges bäuerliches Leben herrschte. Nur die Flurnamen erinnern noch an ihre einstigen Bewohner.
Die Forstwirtschaft auf der Adelegg hat auch heute noch eine große Bedeutung. Ein großer Teil des Waldes wurde von Menschenhand angepflanzt. Es überwiegen die eintönigen Fichtenkulturen. Bei Neuanpflanzungen werden neuerdings zwar ökologische Gesichtspunkte beachtet, doch wird es Jahrhunderte dauern, bis naturnahe Mischwälder die Adelegg wieder bedecken werden.
Die moderne Technik der Waldarbeit und der Einsatz von neuen Großmaschinen wie Motorseilwinden, Krananlagen, Holzrücker und Langholz-Lkw's im Gelände machte den Bau neuer Waldwege notwendig. So entstanden in den letzten 40 Jahren ein dichtes Wegenetz von etwa 150 Kilometern Länge. Dabei wurden tiefe Wunden in die Landschaft gerissen und viele Ruhezonen für Mensch und Tier zerstört.

Die jüngere Geschichte der Adelegg
Bis zum 17. Jahrhundert war die Adelegg auf der Westseite ein Bauernwald, auf der Ostseite ein reiner Urwald. In den Tälern entlang der Bäche gab es Auwälder mit Erlen und Eschen. Die Höhen waren von einem Mischwald aus Buchen und Tannen bedeckt. Dazwischen kamen unter anderem Bergahorn, Bergulmen und Eiben vor. Die Hochlagen waren der natürliche Standort der Fichte.
Der zunehmende Holzbedarf in den Städten machte die Adelegg interessant. Es begannen große Rodungen. Die Stadt Ulm hatte zum Beispiel von 1606 an für 70 Jahre das Recht, aus dem nach der Stadt Ulm benannten Ulmerthal Holz für ihren Bedarf zu schlagen. Das Holz wurde über die Flüsse Eschach, Iller und Donau nach Ulm geflößt.

Die Glasherstellung
Ein außergewöhnlicher und heute kaum noch nachvollziehbarer Aspekt in der Geschichte der Adelegg war die Glasherstellung. Nachdem die schlimmsten Wunden des 30-jährigen Krieges verheilt waren, erweckte der zunehmende Bedarf an Glas den Wunsch nach neuen Produktionsstätten. Durch das Schmelzen von Quarzgeröll mit Pottasche und Kalkstein entsteht Glas. Diese Rohstoffe waren alle vorhanden. Man brauchte riesige Mengen an Holz, einerseits für die Gewinnung der Pottasche, andererseits für das Schmelzen der Mischung. Der Quarzstein kommt auf der Adelegg als Kieselstein in den Bächen und Tobeln vor, ebenso der Kalkstein.
Von 1678 bis 1898, also 220 Jahre lang, wurde in den Tälern der Adelegg Glas hergestellt. Die Glashütten wechselten ihren Standort, wenn das Holz der umliegenden Hänge aufgebraucht war.
Die erste Glashütte stand in Krummen, es folgten andere im Ulmerthal, im Eschachthal, am oberen Eisenbach und im vorigen Jahrhundert dann in Eisenbach und Schmidsfelden. Zeitweise arbeiteten über 100 Personen in den Glashütten. Das Glas wurde in ganz Süddeutschland und sogar bis in die Schweiz verkauft.
In Schmidsfelden wurde in der letzten großen Glashütte ein Museum eingerichtet, ein Glasmacherweg, der alle ehemaligen Standplätze der Glashütten vom Kürnachtal bis nach Wengen anläuft, wurde ausgebaut.

Das Großmodell der Adelegg
Im Museum am Mühlturm in Isny können Sie sich ein Großmodell im Maßstab 1:4000(1 cm im Modell entsprechen 40 Metern in der Natur) betrachten.
Durch Tastendruck auf dem Tableau können Sie sich über die Lage der einzelnen Siedlungen, Tobel, Täler und Berge informieren. Insgesamt zeigen Ihnen 90 Leuchtpunkte den jeweiligen Standplatz an.


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