Die Adelegg - eine Kurzbeschreibung
Die Adelegg ist ein Gebirgszug des Voralpenlandes. Sie ragt als ein Ausläufer der Allgäuer Alpen weit in das Alpenvorland hinaus und wird begrenzt durch die Wasserläufe der Eschach im Osten und Norden, der Wengener Argen im Süden und der Unteren Argen im Südwesten.
Auf dem Kamm der Adelegg verläuft die Europäische Wasserscheide. Während die Argen in den Bodensee und über den Rhein in die Nordsee mündet, fließt die Eschach in die Iller und von dort über die Donau ins Schwarze Meer.
Die Adelegg liegt auf bayrischem und württembergischem Gebiet. Der größte Teil davon gehört zur Gemeinde Isny. Der Schwarze Grat ist mit 1118 Metern Höhe der höchste Berg Württembergs.
An verschiedenen Stellen der Adelegg genießt man eine herrliche Sicht auf die nähere und weitere Umgebung. Von den Bayrischen Alpen im Osten bis hin zu den Schweizer Bergen im Westen reicht der Blick. In Richtung Norden sieht man weit auf das Land hinaus.
Seit März 1994 steht das gesamte Gebiet der Adelegg unter Landschaftsschutz.
Die Adelegg ist ein als Bergland erhaltener Rest der Oberen Süßwassermolasse zwischen den Ausräumungslandschaften des Rhein- und Illergletschers und vor etwa 10 bis 20 Millionen Jahren entstanden. Die Höhe der Adelegg bewegt sich zwischen 770 und 1118 m ü. NN. Da die Adelegg das umgebende Gebiet um bis zu 400 m überragt, haben sich die Fließgewässer tief in die flachgelagerten tertiären Mergel- und Schotterschichten eingeschnitten und bilden heute eine Vielzahl von Tobeln, welche das Bild der Adelegg prägen. Das im wesentlichen aus tertiärer Nagelfluh aufgebaute, hauptsächlich bewaldete Hochgebiet, ist der Allgäuer Faltenmolasse im Norden vorgelagert und trennt hier die ehemaligen Areale des Rheingletschers im Westen und des Illergletschers im Osten.
Die Adelegg ist ein Ausläufer der Alpen, der im Südosten von Baden-Württemberg und im Südwesten von Bayern liegt. Sie ist Teil des Westallgäus. Die Adelegg reicht als nördlichster Ausläufer der Alpen - der sich im Südosten anschließenden Allgäuer Alpen und des im Süden angrenzenden Bregenzer Waldes - weit in das Alpenvorland. Sie liegt im Landkreis Ravensburg (Baden-Württemberg) und im Landkreis Oberallgäu (Bayern) zwischen Isny, Leutkirch, Kempten und Weitnau. Mit der genannten Höhe von 1118 m ü. NN ist der Schwarze Grat nicht nur der höchste Berg der Adelegg, sondern auch der höchste Berg in Württemberg. In den südöstlichen Ausläufern der Adelegg, die im Westen und Süden von der Argen begrenzt wird, entspringt die Eschach.
Klima
Die Adelegg liegt in zentraler Lage im Alpenvorland. Es herrscht hier überwiegend subalpines Klima - in gesunder Mittelgebirgslage, inmitten von bewaldeten Anhöhen bis 1118 Meter Höhe. Es überwiegt ein mildes, nebelfreies, Reizklima mit hoher Luftreinheit.
Im Jahr 2006 wurden in Isny 2185 Sonnenstunden an der Wetterstation gemessen. Das ist Platz 3 in Deutschland! - nur knapp geschlagen mit 4 bzw. 32 Stunden der Städte vom ersten und zweiten Platz, die ebenfalls hier im Südwesten liegen. Isny darf sich also selbstbewusst als Sonnenstadt bezeichnen, denn es rangiert seit Jahren auf den ersten fünf Plätzen mit den meisten Sonnenstunden in Deutschland. Die Orte Isny im Allgäu (Prädikat Heilklimatischer Kurort) und Buchenberg (Prädikat Luftkurort) bieten auf Grund ihrer Mittelgebirgslage beste Voraussetzungen für einen Erholungsaufenthalt. Die Geopsychische Wirkung durch die Landschaft (befreiende positive Geisteshaltung) wirkt sich ebenfalls positiv auf das Allgemeinbefinden aus.
Flora
Die Adelegg ist ein Waldberg und ein Mittelgebirge mit unmittelbarem Anschluss an die Alpen. Daher sind hier eine Vielzahl hochmontaner und subalpiner Pflanzen zu finden. Viele von ihnen sind für Baden Württemberg absolut einzigartig.
Das Landschaftsbild und die Flora und Fauna werden geprägt durch den vielgestaltigen Wechsel von Berg und Hangweiden mit Magerrasen und Feuchtbiotopen sowie den ausgedehnten Wäldern. Absolute Kleinode sind in den Waldgebieten die zahllosen Tobel mit ihrer besonderen (Schluchten) Vegetation; und mit den Resten hochmontaner Buchen- und Tannenwälder, die einst das Bild der Adelegg prägten und auf dem Westhang dieses Bergzuges heute noch im Winter gut zu erkennen sind. Die Artenfülle der Adelegg ist beeindruckend: Über 500 Arten von Farn und Blütenpflanzen sind auf der Adelegg nachgewiesen.
Für die Ökologie sind aber auch die zahlreichen, meist namenlosen Bäche bedeutsam, die zu Kürnach und Eschach hin fließen. Einzigartig sind ihre Betten aus Nagelfluh. Im Frühjahr, nach der Schneeschmelze oder nach einem Gewitterregen rauschen sie mit elementarer Kraft durch die sie sich immer tiefer eingraben und so ein immer wechselndes Bild bieten. Der Rückzug der Landwirtschaft in den letzten 50 Jahren des 20. Jahrhunderts hat der Natur großen Schaden zugefügt. Durch die Aufgabe von vielen Höfen und Almen sind viele dieser Weiden verloren gegangen, in dem man sie mit Fichtenmonokulturen bepflanzt hat. Besonders schlimm ist die "Verinselung" der Bergweiden. Die Aufforstung hat die Weiden von einander getrennt und arg verkleinert. Das landschaftsprägende, offene Weideland, welches man auf alten Postkarten noch manchmal sieht, ist zum großen Teil verschwunden. Aus ökologischer Sicht ist daher keinerlei weitere Aufforstung sinnvoll. Die alten Tobel und Mischwälder müssen in ihrem Bestand erhalten bleiben, die jungen Monokulturen aus Fichten aber, sie sollten am besten wieder verschwinden, der dunkle Forst sollte wieder licht werden, die Biotope würden dadurch wieder aufblühen.
Fauna
Die Artenfülle der Adelegg ist vielfältig und beeindruckend: Neben dem noch häufig anzutreffendem Rotwild (Hirsch und Reh) sieht man zum Beispiel für unsere Gegend die sonst seltenen Gämsen und den großen Kolkraben.
Über 64 verschiedene Brutvögel sind auf der Adelegg heimisch. Viele seltene Insekten tummeln sich in dem einzigartigen Biotop - beispielsweise allein 18 Heuschreckenarten, darunter etliche Gebirgsarten.
Die Adelegg ist aber auch ein Paradies für die stark bedrohten Schmetterlinge: Über 200 Arten sind nachgewiesen! Sie können aber nur weiterhin über die rauen Höhen flattern, wenn die Bergweiden mit ihren seltenen Blumen erhalten bleiben.
Die zahllosen Bäche, die zu Kürnach und Eschach hin fließen, beherbergen Forellen - legendär war einst ihr Reichtum an diesen Fischen, wovon heute leider nicht mehr viel zu sehen ist.
Die auf der roten Liste der bedrohten Tiere in Deutschland stehende Wasseramsel ist an diesen Flüssen und Bachläufen noch öfters zu finden.
In den vielen feuchten Tobeln sind zum Beispiel Amphibien wie der Bergmolch und der Feuersalamander häufig zu sehen. Auf sonnigen Waldwiesen trifft man oft auf Blindschleichen. Diese, unter Naturschutz stehenden Tiere bilden einen Schatz, den es zu erhalten gilt, in dem man die Adelegg als ganzes Biotop bewahrt und schützt.
In jedem Fall bietet die Adelegg dem Tierfreund ein weites Feld für Tierbeobachtungen.
Die frühe Holzwirtschaft
Die Waldwirtschaft wurde bis zum Ende des 18. Jahrhundert fast ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Jagd betrachtet. Die Jagd wurde als Zweck, der Forst als Mittel angesehen. Das Jagdrecht lag damals beim Adel und den Klöstern. Die Adelegg teilten sich das Stift Kempten, das Kloster Isny und die Herrschaft Trauchburg auf. Holz zum Bauen und Heizen wurde nur nahe der Siedlungen geschlagen, da die Transportmöglichkeiten beschränkt waren. Die Wälder waren auch Viehweiden für Rinder, Ziegen und Schweine. Kohlenbrenner, Harz- und Rindensammler erhielten unter strengen Auflagen von den Grundherren das Recht zur Ausübung ihres Gewerbes.
Im späten Mittelalter wurde der Bedarf an Bauholz, Holzkohle und an Harz in den Städten immer größer. Bereits im Jahr 1606 schloss die Stadt Ulm mit dem Stift Kempten einen Vertrag über eine Laufzeit von 70 Jahren ab, welcher ihr gestattete, im sogenannten "Ulmerthal" den Wald abzuholzen. Es entstand dort ein Sägewerk und eine Siedlung für Holzmacher. Das gewonnene Holz wurde über die Eschach in die Iller und dann in der Donau nach Ulm geflößt.
Nachdem gegen Ende des 17. Jahrhunderts die Glasindustrie im Bereich der Adelegg angesiedelt wurde, stieg der Holzbedarf noch mehr an. 1678 wurde am Herrenberg bei dem Weiler "Krummen" die erste Glashütte errichtet. Der Glashüttenbetrieb erforderte Unmengen an Holz, das in den ausgedehnten Wäldern der Adelegg reichlich zur Verfügung stand. Die Brennöfen der Glashütten brannten 20 bis 25 Wochen ununterbrochen und jeder benötigte in dieser Zeit etwa 1.200 Kubikmeter Holz. Außerdem benötigte man Pottasche, welche als Flussmittel zur Glasgewinnung benötigt wurde. Sie wurde von "Aschenbrennern" durch das Verbrennen von Holz hergestellt.
Aus den Flüssen Eschach und Kürnach wurden Sand, Quarz- und Kalksteine gesammelt, feingemahlen und dem Glasgemenge zugesetzt. Diese Steine wurden neben Kalksteinen und Steinsalz in einem, durch Wasserkraft angetriebenen Stampfwerk, zermahlen. Über die Eschach in die Iller und dann in der Donau nach Ulm geflößt.
Waldarbeit heute
Die schwere Arbeit in dem zum Teil unwegsamen Gelände der Adelegg prägt das Gesicht eines Waldarbeiters. Trotz vieler Verbesserungen in den Arbeitsabläufen, trotz des Einsatzes von Maschinen und Hilfsmitteln gehört der Beruf des Waldarbeiters zu den schwersten und gefährlichsten in Deutschland.
Der Holztransport
Der Holzeinschlag auf der Adelegg stellt heute noch einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor in unserer Heimat dar. Die manchmal unzugänglichen Lagen der Holzeinschläge benötigen einen erhöhten Aufwand beim Transport der Stämme. So werden oft transportable Seilbahnen und spezielle Rückefahrzeuge zum Transport der Stämme zur nächsten Verladestelle notwendig. Viele Holztransporte sammeln und transportieren dann das ganze Jahr über das geschlagene Holz in umliegende Sägewerke, wo es zu Brettern und Balken zersägt wird.
Teilweise werden die Stämme aber ganz in das benachbarte Ausland, nach Österreich oder nach Italien transportiert, um dort dann aufbereitet zu werden und als Fertigprodukte wieder den Weg nach Deutschland finden.
Landwirtschaft
Mit den Rodungen der Glasmacher begann die Geschichte der Landwirtschaft auf der Adelegg. Das Gut Herrenberg wurde zwar schon 1188 vom Kloster Isny gegründet, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden dann auf dem Bergrücken der Adelegg weitere zwanzig Bauernhöfe. Die Siedler waren Leibeigene des Klosters Isny und sie mussten härteste Arbeit leisten, bis ihr Besitz in brauchbare Wiesen und Felder verwandelt waren. Die Höfe waren klein, aber es gab vielfachen Nebenerwerb, wie Holzmachen oder das Sammeln von Kieselsteinen zur Glasherstellung.
Schletteralm um 1930
Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts verschwanden die meisten Höfe, 1974 wurde der letzte Hof auf der Adelegg aufgegeben. Die Bedingungen waren zu hart. Das raue Klima, die langen Winter, die weiten Wege zur Kirche, Schule, zu den Geschäften und vor allem die geringen landwirtschaftlichen Erträge machten dem Leben der Bergbauern, wie anderswo auch, ein Ende. Viele Höfe wurden abgebrochen oder verfielen, Äcker und Wiesen wurden zu Weiden, oder vielfach aufgeforstet und wieder zu Wald. Die Alpe Wenger Egg wird als einzige noch bewirtschaftet. Die Wiesen des Herrenberges dienen noch als Sommerweiden für das Jungvieh. Wenn man heute über die dichtbewaldete Adelegg wandert, kann man sich nur noch schwer vorstellen, dass hier einmal über Generationen hin ein reges bäuerliches Leben herrschte. Nur die Flurnamen erinnern heute noch an ihre einstigen Bewohner.
Die Adelegg war für die Bauern seit jeher eine große Herausforderung. Und doch blühte hier einst die Landwirtschaft - in der Kombination mit Waldarbeit und der Glasmacherei als Haupterwerb. Noch in den 50er Jahren waren drei Sennereien in Kreuzthal, Blockwiesen und im Ulmertal im Betrieb. Rund 70 meist kleine Berghöfe wurden bewirtschaftet, selbst die steilsten Hänge gemäht. Mit den 60er Jahren aber wandern die Bergbauern ab, nur die Höfe im Tal überlebten länger. Viele Flächen werden aufgeforstet, die Kulturlandschaft schrumpft, Adelegg und Kreuzthal verfinstern sich buchstäblich. Die Aufforstung ist seither die größte Bedrohung.
Heute gibt es nur noch eine Handvoll aktiver Landwirte, auf den Berghängen tummelt sich Pensionsvieh aus dem Unterland. Inzwischen wird aber sogar dieses Stellvieh rar, da mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft überall Flächen frei werden.
Wenn die wertvollen Bergweiden und Magerwiesen der Adelegg erhalten werden sollen, müssen sie weiterhin gepflegt, extensiv beweidet werden. Das raue Klima der Adelegg bietet sich an für die Zucht gesunder Nutztiere, für seltene Rassen gar, die wieder zunehmend gefragt sind - ob Rinder, Schafe oder Ziegen.
Jede weitere Aufforstung in der Region Adelegg soll vermieden werden, neue Alternativen für die voralpine Landschaft sollen entwickelt werden. Die Revitalisierung des Kreuzthals soll als Modellprojekt Landwirtschaft, Naturschutz und Freizeit verbinden und gemeinsam beleben.
Das erste konkrete Projekt ist eine Weidegemeinschaft im Kreuzthal. Sie soll die Landschaftspflege in der Region Adelegg nachhaltig sichern und der Landwirtschaft eine weitere Perspektive bieten. Die Landschaftspflege der noch aktiven Landwirte wird inzwischen von einer Herde Hinterwälder Rinder ergänzt. Der "Adelegg - Verein - Initiative Kreuzthal-Eisenbach" wurde 2003 gegründet und ist als gemeinnütziger Verein anerkannt. Die "Adelegg Landschaftspflege GbR" nutzt und sichert in erster Linie die Flächen ihrer Mitglieder, damit keine weiteren Flächen mehr aufgeforstet werden. Sie übernimmt aber auch alle Pflegeflächen, die ansonsten brach zu fallen drohen. Die Gesellschaft hat bereits 16 aktive Mitglieder, darunter 1 Vollerwerbslandwirt, 3 Nebenerwerbs-Landwirte, mehrere Flächeneigner, Hobby-Landwirte und Kreuzthaler Idealisten.
Mit einem finanziellen Kraftakt haben die Mitglieder der GbR im Mai 2003 ein Zeichen gesetzt und eine Herde Hinterwälder Rinder aus dem Schwarzwald ins Kreuzthal geholt. Die Tiere weiden am Kirchberg, im Kreuzbachtal, im Ulmertal, in Schmidsfelden oder auf der Alpe Wenger Egg. Sie ergänzen die Landschaftspflege der angestammten Landwirte. Die Hinterwälder sind die kleinste und leichteste Rinderrasse Mitteleuropas, ideal geeignet für steile Hänge. Zudem extrem robust, echte Ur-Rinder. Die Vision: Weitere alte und bedrohte Rassen sollen ebenfalls in die Region Adelegg kommen - so Braunvieh vom alten Allgäuer Schlag, Weißgurten, Tiroler Grauvieh oder Pinzgauer. Kreuzthal und die Adelegg bieten sich an mit Klima und Topographie als Oase für bedrohte Nutztierrassen.
Die Glasmacherei
Die Glashütten in der Adelegg wurden nach dem Dreißigjährigen Krieg gegründet - im baufreudigen Barock war besonders viel Glas notwendig. Die Grundherrschaften, das Kloster Isny, die Grafschaft Trauchburg und das Stift Kempten versuchten, durch Einführung der Glasmacherei ihre nur wenig oder nichts einbringenden Waldgebiete besser zu nutzen. Auf den durch die Hütten gerodeten Gebieten konnten außerdem Bauern angesiedelt werden; ihnen standen über die Glasmacherei wichtige Verdienstmöglichkeiten als Fuhrleute, Waldarbeiter oder Steinesammler offen. Erschöpften sich die Holzvorräte um die Hütten und wurden die Transportwege zu
lang, so brach man die Gebäude ab und verlagerte sie zu neuen Standorten.
So hat die Glashütte der Glasmacherfamilie Schmid, die 1678 aus dem Schwarzwald eingewandert ist, drei verschiedene Standorte eingenommen, bevor sie im Jahre 1825 an der heutigen Stelle in Schmidsfelden aufgebaut wurde. Grundlage für die Glasmacherei waren die großen Holzvorräte, Quarz, Kalk und fließende Gewässer. Aus Holzasche, Kalk und Quarzsand wurden bei etwa 1200° - 1300° Glaswaren als Massenartikel gefertigt. Verunreinigungen der Glasmasse durch mineralische Partikel im Quarzsand verursachten eine grünliche oder gelbliche bis leicht
bräunliche Färbung, die man durch Oxydbeigaben manchmal noch verstärkte. Diese Tönung sowie winzige Einschlüsse und Bläschen gaben den Gläsern das typische Aussehen, das in späterer Zeit oft nachgeahmt wurde. Im 18. Jahrhundert erzeugten nur mehr wenige Betriebe Gebrauchsglas in Form von Waldglas. Im Allgemeinen war man bestrebt, durch Zusätze von Glasmacherseifen, Kalk und Blei farbloses Glas herzustellen. Typische Waldgläser sind der Krautstrunk, das Nuppenglas, das Passglas, der Römer, der Spechter und das Stangenglas.
Die Glasherstellung
Für die Herstellung von 1 kg Glas wurden damals circa 1,00 Raummeter Holz benötigt. Der Holzbedarf einer einzigen Glashütte zur Herstellung von Pottasche und zum Heizen der Glasöfen betrug jährlich 2.000 bis 3.000 Festmeter Holz, was etwa einer Menge von 2.800 bis 5.200 Raummeter entspricht. Für eine Glashütte wurde somit jährlich der Holzvorrat von etwa 20 bis 30 ha Wald benötigt. 80 bis 85 % des Holzes wurde dabei für die Pottaschegewinnung veräschert. Es wurden schon im 14. Jahrhundert Klagen über die Waldverwüstung durch die Glashütten laut. Für die Grundherren jedoch war ein Glashütte die lukrativste Art und Weise, ihren Wald auszunutzen. Zweifellos waren Glashütten Holzfresser. Waren sie deshalb auch Waldschädiger? Bei dieser Frage ist von der Gedankenwelt in der jeweiligen Zeit auszugehen. Waldglashütten hatten die Aufgabe, große Freiflächen zur Gebietsmarkierung zu schaffen und sesshafte Hütten in abgelegenen Wäldern anzulegen. Mit der Streunutzung zur Aschegewinnung sollte das heranwachsende Holz zur Nutzung für andere Zwecke geschont werden. So können diese Glashütten nicht als Waldschädiger, sondern als Waldpfleger betrachtet werden. In den aufgelassenen Wohnstätten der Glasmacher konnten Ackerbauern und Viehzüchter angesiedelt werden, die auf den abgeholzten Flächen wiederum Nahrung produzierten und das Wachstum so förderten. So konnte eine Wanderglashütte ganze Wälder für die Besiedelung vorbereiten, es entstanden Hof um Hof, Siedlung um Siedlung.
Die Glasmacher bildeten eine starke, weitgehend abgeschlossene soziale Gruppe von Unternehmern und Hilfskräften, die ihre Betriebsgeheimnisse hüteten. Das wiederum führte dazu, dass die Glasmacher von der übrigen Bevölkerung misstrauisch betrachtet wurde. Die Glasmacher waren schon durch ihre Arbeitsweise, ihren Lebensstil zu Außenseitern degradiert, denen man am liebsten aus dem Wege ging.
Tourismus
Auch wenn die Bevölkerung der Adelegg mit der Glaserzeugung um 1900 eine wichtige Einnahmequelle verlor, so fand sie rasch einen neuen wirtschaftlichen Antrieb ihrer interessanten Heimat: Den Tourismus. Es war die Zeit des beginnenden Trendsports Skifahren, und die Adelegg als ‚Schneeloch' bekannt. Reiche Städter aus Stuttgart, unter ihnen auch die Ehefrau des Autohersteller Daimler, reisten an und verbrachten ihre Ferien nicht nur im Winter an diesem Ort. Die Gegend wurde auch beliebt unter Sommerfrischlern und Wanderfreunden, die sich an den traumhaften Aussichten über die Alpen, sowie über die Kühle des Waldes erfreuten. Mit Ende des zweiten Weltkrieges und dem einsetzenden Wirtschaftswunder verlor die Adelegg ihren Reiz und konnte mit Italien oder Frankreich nicht mithalten. Heute, im Zuge des sanften Tourismus gewinnt diese Region jedoch wieder an Bedeutung.
Ein neues, spannendes Projekt ist der Glasmacherweg quer durch die Region der Adelegg.
Der Themenweg "auf den Spuren der Glasmacher" soll praktisch alle ehemaligen Standorte der Glasmacher im Gebiet der Adelegg berühren, verbinden und so die fast vergessene Kulturgeschichte dieser Region neu beleben.
Vorbild und Zentrum des Themenwegs ist der Glasmacherweiler Schmidsfelden. Die Route des Glasmacherweges wird vom Kürnachtal über Schmidsfelden nach Eisenbach, dann über Eschachtal und die Alpe Wenger Egg nach Wengen führen. Der Adelegg-Verein will den Themenweg gemeinsam mit den betroffenen Kommunen 2007 verwirklichen - in Form eines beschilderten Saumpfades.
Tourismus und Fremdenverkehr - einst
Zu allen Zeiten gab es Menschen, die aus Lust reisten, jedoch war dies meist nur ein Privileg der Adeligen und wohlhabenden Bürger. Im Zeitalter der Romantik (1795-1840) vergrößerte sich die Zahl der Reisenden erheblich. Da man in dieser Zeit sehr naturverbunden war, entdeckte man die Berge als Reiseziel. Im 19. und 20. Jahrhundert war das Reisen zwar nicht mehr das Privileg der Wohlhabenden, dennoch waren die einfachen Arbeiter weitestgehend davon ausgeschlossen.
Tourismus zum Zweck der Erholung entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und war anfangs ein Vorrecht privilegierter gesellschaftlicher Gruppen. Er beschränkte sich auf die Sommermonate. Die Eisenbahn als neues Verkehrsmittel machte das Reisen ab den 1880er Jahren schneller und billiger. Lokale und überregionale Vereine schufen die notwendigen Infrastrukturen in den neuen Gästeorten. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Winter zur neuen Reisesaison.
Die Weimarer Republik schuf mit ihren Arbeitsgesetzen die Basis für den Massentourismus der 1920er Jahre. Im Bereich der Adelegg begann der Tourismus ebenfalls zu Beginn des 20. Jahrhundert.
Tourismus und Fremdenverkehr - heute
Ein riesiges Netz gut ausgebauter und markierter Wanderwege bieten jedem Wanderer die Möglichkeit, voll und ganz in seinem Hobby aufzugehen.
Eine Vielzahl von Veranstaltungen wie zum Beispiel der Berglauf zum Schwarzen Grat jedes Jahr im Juni, durchgeführt vom TV Isny oder Wanderungen organisiert von Isny Marketing mit sachkundiger Führung bieten jedem Gast eingroßes Angebot die Adelegg zu erkunden.
Wintersport auf der Adelegg
Um 1900 wurde die Adelegg von Stuttgarter Skifahrern entdeckt, Großholzleute und Eisenbach wurden zu frühen Zentren des weißen Sports. Auch dies eine heute fast vergessene Episode. Schletter Alpe und Schwarzer Grat waren aber auch schon früh beliebte Ziele für Wandervögel und Sommerfrischler. Viele Alpen der Adelegg sind leider verschwunden oder zerstört worden. Die Alpe Wenger Egg freilich hat den alten Charme bewahrt und lockt noch heute sommers wie winters Tausende Besucher an. Der nahe Schwarze Grat bietet als höchster Berg Württembergs einen einmalige Ausblick.
Im Jahr 1905 wurde im Bolsternanger Tal mit der Errichtung einer Lungenheilstätte für tuberkulöse Frauen begonnen. Im Jahr 1908 wurde diese Klink eingeweiht. Die Klinik Überruh liegt am Fuße des Schwarzen Grates - direkt an der bayrisch-württembergischen Grenze im zentralen Allgäu. Von unberührten Wäldern umgeben, beginnt die Parklandschaft des Klinikgeländes am Ortsende des Luftkurortes Bolsternang. Diese Lage inmitten der traumhaften Allgäuer Landschaft bietet Erholung pur. Die Nähe der Alpen und die Höhe der Klinik (813 Meter) schaffen ein Reizklima, das sich nachhaltig stimulierend auf den Organismus auswirkt. Im Jahr 1972 wurde die Lungenheilstätte aufgegeben und zu einer Fachklinik für Erkrankungen der Bewegungsorgane und Innere Medizin, Kardiologie, Pneumologie und Krebsnachsorge ausgebaut.